<% @ LANGUAGE=VBScript LCID=1031 %> <% Option Explicit %> interstellarum - Zeitschrift für praktische Astronomie <% Dim Nummer Dim objNLCon, strNLCon Dim objNLRS, strNLSQL Nummer = 101 strNLCon = "Provider=Microsoft.Jet.OLEDB.4.0;Data Source=" & Server.MapPath("/App_Data/interstellarum.mdb") Set objNLCon = Server.CreateObject("ADODB.Connection") objNLCon.Open strNLCon Set objNLRS = Server.CreateObject("ADODB.Recordset") strNLSQL = "SELECT * FROM Newsletter WHERE Nummer = " & Nummer objNLRS.Open strNLSQL, objNLCon, 0, 2, 0 objNLRS("Angesehen") = objNLRS("Angesehen") + 1 objNLRS.Update objNLRS.Close objNLCon.Close %> 20 And minute(now) <= 40 Then Response.Write("style='background-image: url(../../../../../interstellarum/images/bg/bg2.jpg);'") Else Response.Write("style='background-image: url(../../../../../interstellarum/images/bg/bg3.jpg);'") End If %> onload="startList()"> <% =NLBannerTop %> <% =NLBannerRight %>
INHALTSVERZEICHNIS Ausgabe 101 vom 8.1.2010
 
AKTUELLE EREIGNISSE
 
MELDUNGEN AUS DER FORSCHUNG
 
NACHRICHTEN AUS DER ASTRO-SZENE
 
MITTEILUNGEN AUS DER REDAKTION
 
 
AKTUELLE EREIGNISSE
 

Wichtige Astronomische Ereignisse vom 8.1.–22.1.2010

15.1. 08:06:33 MEZ Ringförmige Sonnenfinsternis, in Ostösterreich partiell
15.1. 08:11:27 MEZ Neumond
23.1. 11:53:28 MEZ Mond Erstes Viertel

Nur Österreicher haben die Chance auf ein besonderes astronomisches Ereignis im Januar, und auch nur solche die im Osten des Landes wohnen: Am 15.1. streift der Halbschatten der Ringförmigen Jahrtausend-Sonnenfinsternis Mitteleuropa. Die Beobachtungsbedingungen sind allerdings erschwert: Die Finsternis findet während Sonnenaufgang statt, und es ist ausgerechnet der südliche Sonnenrand nur ganz wenig »angeknabbert«, während sich die Sonne über den Horizont erhebt. Zu einer erfolgreichen Sichtung benötigt man deshalb nicht nur ausgesprochenes Wetterglück, sondern auch einen möglichst hohen Standort, wie ihn etwa die Ostalpen bieten. Über erfolgreiche Beobachtungen berichten wir gerne an dieser Stelle.

Die partielle Sonnenfinsternis in Österreich

Ort Sonnenaufgang Bedeckungsgrad bei Sonnenaufgang Finsternisende
Wien 7:44:28 MEZ 0,006 7:50:05 MEZ
Graz 7:44:15 MEZ 0,006 7:49:53 MEZ
Klagenfurt 7:47:27 MEZ 0,002 7:49:45 MEZ

Ronald Stoyan

 
LINKS ZUM ARTIKEL
ARTIKEL ZUR STATISTIK:
www.wired.com/wiredscience/
2009/12/the-year-in-sunspot
VERTEILUNG DER GRUPPEN:
sidc.oma.be/news/119/
welcome.html
 
Größere Version
Die Rückkehr der Sonnenaktivität im vergangenen Jahr: Immer wieder gab es besonders inaktive Monate, aber die Zahl der Tage im Monat mit wenigstens einem winzigen Sonnenfleck hat doch kontinuierlich zugenommen – mit dem Dezember als krönendem Abschluss. [Space Weather Prediction Center/NOAA]

Mehrere substanzielle Sonnenfleckengruppen erinnerten im Dezember daran, dass die Sonne auch anders kann als in den vergangenen Jahren, als sich ein fleckenfreier Tag an den nächsten reihte – und dies war kein Ausbrecher: Trägt man nämlich die Zahl der Tage mit Flecken Monat für Monat auf (Grafik), so ergibt sich, von gelegentlichen Einbrüchen abgesehen, ein eindeutiger Trend nach oben.

Dies mag der »gefühlten« Fleckenlosigkeit des Jahres widersprechen, was sicher daran liegt, dass hier Flecken aller Waldmeier-Klassen berücksichtigt sind, auch die allerkleinsten. Und nur der fleckenreiche Dezember hat es verhindert, dass 2009 mit zu guter letzt nur 260 fleckenfreien Tagen hinter 2008 (mit 266 Tagen ohne Flecken) auf den zweiten Platz hinter 1913 als fleckenärmstes Jahr überhaupt vorrücken konnte – damals waren sogar 311 Tage ohne einen einzigen Sonnenfleck gezählt worden. Zu Jahresbeginn hatte es tatsächlich so ausgesehen, als steuere 2009 auf einen Minusrekord zu: 87% der Tage des ersten Quartals waren fleckenfrei. Im Jahresschnitt sind es schließlich nur 71% geworden – und man mag extrapolieren, dass es im Jahr 2011 endlich wieder keinen einzigen Tag ohne Flecken geben wird. 80% der Aktivitätsregionen des neuen Fleckenzyklus konzentrierten sich übrigens auf nur ein Drittel des Umfangs der Sonne: Das mag Einsichten in die Funktionsweise des Sonnendynamo liefern, der immer wieder für Überraschungen gut ist.

Daniel Fischer

 
LINKS ZUM ARTIKEL
T CEPHEI IM ÜBERBLICK:
www.bav-astro.de/rb/rb2008-1/58.pdf
BRITISH ASTRONOMICAL ASSOCIATION VARIABLE STAR SECTION:
www.britastro.org/vss/
 
Größere Version

T Cephei ist einer der hellsten Mirasterne am Himmel: 6 ,m0 erreicht der Stern im mittleren Maximum und nur bis 10 ,m3 sinkt die Helligkeit im mittleren Minimum (Abweichungen bis zu einer Größenklasse kommen vor). Durch seine nördliche Lage am Ort 21h 09,5min, +68° 29' ist der Stern das ganze Jahr über in Mitteleuropa zu beobachten.

Die Periode des Lichtwechsels – im Mittel 388 Tage – zeigt größere Änderungen über die Jahre. Daher ist die ständige Überwachung des Sterns sehr wertvoll. Amateure wie in der britischen BAA.VSS haben den Stern seit mehr als 100 Jahren beobachtet! Um den 24.1.2010 erreicht T Cephei wieder eines der etwa alle 13 Monate auftretenden Helligkeitsmaxima. Der Stern hat bereits die 7. Größe überschritten und ist damit auch im kleinen Fernglas beobachtbar.

Im Fernrohr zeigt sich die deutlich rötliche Färbung des Roten Riesen. T Cephei ist wie alle Mirasterne ein Stern nahe dem Ende seines Sternenlebens, nicht unähnlich dem Objekt das in sehr ferner Zukunft aus unserer Sonne werden wird.

Wolfgang Vollmann

Die Nova im Eridanus (KT Eri) wurde am 25.11.2009 am Ort 04h 47min 54,21s, –10° 10' 43,1" mit 8 ,m1 entdeckt. Seither sank die Helligkeit mit kleinen Schwankungen ab. Die aktuellen Beobachtungen bis 6.1.2010 zeigen die Nova noch immer zwischen 9 ,m5 und 10 ,m0 hell. Damit ist sie noch gut im kleinen Fernrohr 7° westsüdwestlich von Rigel im Orion beobachtbar. Die Nova erreichte ihr Helligkeitsmaximum offenbar schon am 15.11. mit 5 ,m6, wurde aber erst zehn Tage später entdeckt!

Wolfgang Vollmann

 

Entdeckt hatte ihn ein Amateurastronom am 30. Dezember auf Bildern eines der STEREO-Satelliten, aber sein rasches Ende war am 2. und 3. Januar ein Spektakel für die Koronographen des alten SOHO-Satelliten, dem zahlreiche Kometenfreunde via Internet beiwohnten: Auch heute noch werden im Stundentakt und fast in Echtzeit ihre Bilder verfügbar. Der namenlose Komet der Kreutz-Gruppe mit einem nur wenige Meter großen Kern erreichte für kurze Zeit ungefähr nullte Größe: Viel zu wenig, um so dicht neben der Sonne vom Erdboden aus gesehen zu werden, wie ein paar unerschrockene Beobachter aus eigener Erfahrung bestätigen konnten.

Daniel Fischer

 
 
LINKS ZUM ARTIKEL
DIE GESCHICHTE VON HAUMEA & YE7:
www.mikebrownsplanets.com/
2009/12/ghost-of-christmas-past.html
TABELLE ALLER KUIPER-GÜRTEL-OBJEKTE:
www.cfa.harvard.edu/iau/lists/
TNOs.html
HAUMEAS ECHTE UND FALSCHE SPLITTER:
arxiv.org/abs/0912.3171
 

Mit einer absoluten Helligkeit von +2 ,M8 ist er der neunthellste Körper im Kuiper-Gürtel: 2009 YE7, der im Dezember von einem der wenigen Suchprogramme im äußeren Sonnensystem auf der Südhalbkugel aufgespürt wurde. Aber mangels Kenntnis der Albedo lässt sich nicht sagen, ob er auch entsprechend groß ist. Die Bahneigenschaften, insbesondere die Neigung von 29°, sprechen zwar ziemlich deutlich dafür, dass es sich um einen weiteren »Splitter« des Zwergplaneten Haumea handelt, doch einen sicheren Zusammenhang könnten nur gute Spektren beweisen – die kürzlich bei mehreren anderen vermeintlichen Haumea-Stückchen starke Zweifel an einer Verwandtschaft aufkommen ließen. Hat 2009 YE7 dieselbe hohe Albedo wie Haumea, dann ist dieser Körper etwa 450 km groß und damit immerhin noch in den Top 50 des Kuiper-Gürtels.

Daniel Fischer

 

 

 
MELDUNGEN AUS DER FORSCHUNG
 
LINKS ZUM ARTIKEL
HOMEPAGE VON WISE:
wise.ssl.berkeley.edu
DAS FIRST-LIGHT:
www.jpl.nasa.gov/news/
news.cfm?release=2010-005
ARTIKEL ZUM START:
www.spaceflightnow.com/
delta/d347
 

Am 14. Dezember hatte ihn eine Delta 2-Rakete von Vandenberg aus in eine niedrige polare Erdumlaufbahn gebracht, am 29. Dezember wurde der Deckel seines Teleskops geöffnet, und sogleich folgten die ersten Testaufnahmen. Keine besonderen Himmelsobjekte wurden dafür angepeilt, da man noch gar nicht wusste, wie gut überhaupt die räumliche Ausrichtung des Wide-field Infrared Survey Explorer oder WISE funktionierte: Stattdessen schaute man blind in ein halbes Dutzend Richtungen ohne gefährlich helle Objekte und nahm jeweils 8,8 Sekunden lang Bilder auf.

Größere Version
Aus Aufnahmen bei 3,4µm, 4,6µm und 12µm Wellenlänge wurde diese Falschfarbenversion der attraktivsten von einem halben Dutzend Testaufnahmen mit dem neuen NASA-IR-Satelliten WISE zusammengesetzt: Sie beweist, dass die Optik fokussiert ist und die Detektoren arbeiten. [NASA/JP-Caltech/UCLA]

Das attraktivste Bildfeld wurde dann am 6. Januar der Öffentlichkeit präsentiert: Der helle Stern ist der rote V482 Carinae, das diffuse Glühen oben links stammt von Staubwolken. Das 40cm-Teleskop ist offensichtlich gut fokussiert, wie man am scharfen Beugungsmuster des hellen Sterns erkennt: Schon Anfang Februar soll es eine Auswahl nunmehr repräsentativer Himmelsobjekte zu sehen geben, und dann beginnt eine sechsmonatige Himmelsdurchmusterung. Ihr folgt noch eine halbe weitere, bis ungefähr im Oktober der gefrorene Wasserstoff aufgebraucht ist, der Optik und Instrumente auf 12 und teilweise sogar nur 8 Kelvin kühlt. Rund 7000 Aufnahmen in vier Wellenlängen (3,4µm, 4,6µm, 12µm und 22µm) mit 47' Gesichtsfeld soll es jeden Tag geben: Jeder Himmelspunkt wird während der Mission mindestens 8-, manche über 1000-mal angeschaut; die Auflösung beträgt dabei etwa 6", bei 22µm immer noch 12". Auf den Millionen Bildern – alle 11 Sekunden ein neues, während sich WISE langsam dreht – sollten hunderte von Millionen Objekten zu erkennen sein: jeweils rund 100 Millionen Galaxien und 100 Millionen Sterne der eigenen Milchstraße (allein das eine Testbild zeigt schon rund 3000), dazu hunderttausende von Körpern im Sonnensystem.

Dazu gehören erdnahe Asteroiden ebenso wie solche im Hauptgürtel: Fast alle hunderttausend ab 3km Durchmesser muss der Satellit sehen. Dasselbe gilt für sämtliche sonnennahen Sterne und Braunen Zwerge: Es ist nicht unwahrscheinlich, dass WISE einen Zwerg näher als Proxima Centauri findet, denn gibt es einen, dann ist er zwangsläufig IR-hell genug, um entdeckt zu werden. Am anderen Ende des kosmischen Größenspektrums ist WISE besonders für die ultrahellen Infrarot-Galaxien empfindlich, unter denen der Satellit durchaus die leuchtkräftigste Galaxie des ganzen Kosmos aufspüren könnte. Etwa 16 Monate nach dem Start – im April 2011 – wird die gesamte astronomische Welt mit vorläufigen, im März 2012 dann mit den endgültigen Daten der 320-Mio.$-Mission beglückt: Dazu gehören ein Atlas und ein Katalog sämtlicher gesichteten Himmelsobjekte. Nach den Erfahrungen mit anderen Himmelsdurchmusterungen, die in neue Empfindlichkeitsbereiche vorgestoßen sind, werden völlig überraschende Entdeckungen geradezu erwartet. Und garantiert ist eine wesentliche Rolle des WISE-Atlas auch als Pfadfinder für den Riesen-IR-Satelliten JWST, der 2014 starten soll.

Daniel Fischer

 
LINKS ZUM ARTIKEL
 
PRESSEMITTEILUNG:
www.naoj.org/Pressrelease/
2009/11/19
 
Größere Version
Realität und Simulation des jungen engen Doppelsternsystems SR24 mit Massenfluss von einem Stern zu seinem Begleiter (unten) stimmen außerordentlich gut überein; eingezeichnet sind auch die Roche-Grenzen und in der zweidimensionalen Simulation neben der Materiedichte auch die Strömungsgeschwindigkeiten. [The graduate University for Advanced Studies & the National Astronomical Observatory of Japan / Chiba University]

Solche Bilder kannte man bisher nur als künstlerische Darstellungen in Lehrbüchern, aber das japanische Subaru-Teleskop macht es mit seinem 8,4-Meter-Spiegel, Adaptiver Optik und Koronograph möglich: Zu sehen sind in 520 Lj Entfernung zwei zirkumstellare Scheiben um zwei eng benachbarte junge Sterne, begleitet von einer Fülle von zusätzlichen Strukturen.

Das CIAO-Instrument löst im nahen Infraroten mit 0,1" Schärfe alle wesentlichen Details auf, insbesondere eine Materiebrücke zwischen den beiden Sternscheiben. Die Konstellation wurde zugleich in einem Supercomputer nachgespielt, und die Übereinstimmung der Bilder ist verblüffend. Auch ein ausgedehnter »Spiralarm« von Materie auf der dem Sekundärstern gegenüberliegenden Seite des Primärsterns findet sich in Realität wie Simulation wieder, über den seine zirkumstellare Scheibe aus dem interstellaren Raum bzw. einer hier nicht sichtbaren weiteren großen Staubscheibe um beide Sterne gemeinsam nachgefüllt wird. Und die Brücke entpuppt sich als Schockstruktur zwischen den Gasströmungen in beiden zirkumstellaren Einzelscheiben.

Einzelne Aspekte dieses komplizierten Wechselspiels, das für die weiteren Entwicklung der Scheiben – wie auch eventuelle Planetenenstehung darin – große Bedeutung hat, lassen sich zwar auch Spektren des Systems entnehmen. Aber nur hochauflösende direkte Aufnahmen wie diese zeigen, was tatsächlich passiert. Und dass die Numeriker zumindest diesen Aspekt der Entwicklung von Doppelsternen im Griff zu haben scheinen.

Daniel Fischer

 
LINKS ZUM ARTIKEL
VERÖFFENTLICHUNG ZU DEN FGS-DATEN:
arxiv.org/abs/0912.2996
PRESSEMITTEILUNG:
hubblesite.org/newscenter/
archive/releases/2009/33/full
VORAUSSAGEN FÜR DIE OORTSCHE WOLKE:
arxiv.org/abs/0912.0948
 

Es gibt nur einen einzigen Fall, selbst dieser ist nicht hieb- und stichfest – aber die Bedeutung einer Messung des Hubble Space Telescope von nur einer Fünftel Sekunde Dauer (oder vielmehr der Tatsache, dass sie die einzige blieb) für unser Verständnis des Kuiper-Gürtels jenseits der Neptun-Bahn ist erstaunlich. Direkt beobachten lassen sich in diesen Distanzen von 30AE bis über 50AE nur Körper von 100km und mehr Durchmesser, aber ein Trick verspricht Erkenntnisse über wesentlich kleinere Objekte: Auch sie wären immer noch groß genug, um einen Stern kurz zu bedecken.

Größere Version
Die Sekundenbruchteile, als wahrscheinlich ein kleiner Körper im Kuiper-Gürtel vor einen Stern mit 13 ,m4 trat: Die Fehlerbalken sind die tatsächlichen Helligkeitsmessungen des Fine Guidance Sensors 2 des Hubble Space Telescope am 24. März 2007, die gestrichelte Kurve ist eine Simulation des am besten dazu passenden Beugungsmusters, und die Quadrate sind daraus generierte Helligkeitswerte für Intervalle von 0,025 Sekunden. Eine Wahrscheinlichkeit von 2% bleibt, dass der Helligkeitsausschlag nichts als Rauschen ist. [Schlichting et al.]

Etliche Suchprogramme hat es schon gegeben, mit vielen negativen und vereinzelten positiven Resultaten, die aber immer fragwürdig blieben: Zu leicht kann die Szintillation der Erdatmosphäre eine Sternbedeckung von einem Sekundenbruchteil vorgaukeln. Und auch eine Messreihe mit einem Röntgensatelliten, die dutzende von Bedeckungsereignissen zu beinhalten schien, stellte sich bald als wahrscheinliches Instrumentenproblem heraus. Aber da gibt es noch ein empfindliches Fotometer außerhalb der Erdatmosphäre, das eigentlich gar keins ist: Die Fine Guidance Sensors (FGS) des Hubble Space Telescope, die zur hochgenauen räumlichen Ausrichtung des Weltraumteleskops dienen, aber dabei 40 Mal in der Sekunde die Helligkeit der Leitsterne messen. 12000 Stunden solcher Messungen aus dem Archiv sind nun ausgewertet worden – und exakt ein mögliches Bedeckungsereignis steckte in der Datenflut (Grafik): Wenn ein 1km großer Körper in 40AE bis 50AE Sonnenentfernung vor dem Stern hergezogen ist, dann müsste er ein charakteristisches Beugungsmuster produziert haben, dass der gemessenen Lichtkurve zumindest stark ähnelt. Interessanterweise ist es nun fast egal, ob dieses Ereignis echt war oder nicht: Dass es in den 12000 Stunden überhaupt nur zwischen 0 oder 1 Bedeckungen gab, widerlegt radikal alle anderen behaupteten Bedeckungen aus anderen Programmen, denn aus deren vermeintlicher Statistik hochgerechnet hätten die FGS weit mehr als ein Ereignis sehen müssen.

Stattdessen sieht es nun so aus, dass es unterhalb der 100km-Grenze sogar ein Defizit an kleineren Objekten im Kuiper-Gürtel gibt: Offenbar zermahlen sie sich durch Kollisionen untereinander, so dass die Überbleibsel auch mit Sternbedeckungen nicht mehr nachweisbar sind – ein Prozess, wie er übrigens auch in Kuiper-ähnlichen Scheiben um andere Sterne indirekt beobachtet wird. Und die nun möglicherweise erfolgreiche Nachweistechnik mit einem Photometer im Orbit eignet sich genau so gut zur direkten Suche nach Körpern in der Oortschen Wolke noch weit jenseits des Kuipergürtels: Der Satellit Kepler zum Beispiel könnte bis zu 100 Oortsche Treffer erzielen, während ihm wegen des ekliptikfernen Gesichtsfelds so gut wie kein Objekt aus dem Kuiper- oder auch Asteroidenhauptgürtel vor einen Stern treten sollte.

Daniel Fischer

 
LINKS ZUM ARTIKEL
ANALYSE:
arxiv.org/abs/0912.4428
 

Wieder etwas Neues aus der Welt der Planeten fremder Sterne: Der Planet des Sterns TrES-2 zieht neuerdings nicht mehr vollständig vor dem Sternscheibchen her, und die Verfinsterungen werden immer geringer. Die einzige überzeugende Erklärung: Ein unbekannter weiterer Planet – auf einer für Exoplaneten durchaus typischen Bahn – zerrt am Transitplaneten und verändert dessen Bahn. Über einen Radialgeschwindigkeitseffekt müsste sich der vorausgesagte andere Planet nachweisen lassen: Das wäre ein Novum.

Daniel Fischer

 

 
NACHRICHTEN AUS DER ASTRO-SZENE
 
LINKS ZUM ARTIKEL
EURO EMC-SÄULENSTATIV:
www.euro-emc-astro.de/
de/produkte.html
 

Die Firma euro EMC GmbH ist ein in Bayern ansässiger Hersteller industrieller Geräte, der kürzlich seine Aktivität im Bereich Astrozubehör erweitert hat und nun als erstes Produkt dieser Sparte das Säulenstativ S130 vorstellt. Das Stativ ist modular aufgebaut und kann entsprechend den individuellen Bedürfnissen des Nutzers zusammengestellt und erweitert werden. Als Fußteil dient eine Rahmenkonstruktion aus lasergeschnittenem Stahlblech, das durch eine Pulverbeschichtung vor Witterungseinflüssen geschützt wird.

Größere Version
Verspricht sehr hohe Steifigkeit bei moderatem Gewicht: Das euro EMC-Säulenstativ.
 

Laut Hersteller ist optional eine Ausführung in Edelstahl möglich. Eine Säule in erforderlicher Länge wird oberhalb und unterhalb des Fußteils durch planparallel gefräste Schellen eingespannt. Der Hersteller weist darauf hin, dass durch diese Bauweise die Gesamthöhe um 100mm variabel bleibt. Als Säulen (Aluminium eloxiert, 130mm×5mm) stehen Standardlängen von 800mm, 1000mm und 1200mm zur Verfügung, jeweils mit plan gefräster Kopfplatte zur Aufnahme der Montierung. Derzeit stehen Adapter für Vixen GP und Sphinx sowie Tak EM11/200 zur Verfügung, weitere sind in Vorbereitung. Durch Passstifte an der Kopfplatte bleibt die korrekte Position der Montierung zum Stativ beim Wiederaufsetzen erhalten. Das Stativ ist mittels justierbarer Füße und integrierter Dosenlibelle kontrolliert nivellierbar. Als Zubehör sind Fußplatten für weichen Untergrund bzw. eine Bodenfixierung aus Edelstahl erhältlich, die jederzeit eine perfekt reproduzierbare Aufstellung mit korrekter Nordung ermöglichen soll. In die Beine des Fußteils können zur Stromversorgung bis zu drei Bleigel-Akkus eingesetzt werden, wobei die Verkabelung durch die Säule möglich ist. Unter Verwendung optional erhältlicher Lufträder kann das komplette Instrumentarium, also Stativ einschließlich Teleskop, Steuerung und Stromversorgung zum Beobachtungsplatz geschoben werden und ist dort sofort einsatzbereit. Die Preise beginnen in der kürzesten Version bei 1055€ ohne Adapterplatte und Zubehör.

Frank Gasparini

Getreu dem Motto »Öffnung ist nur durch mehr Öffnung zu ersetzen« bietet Orion eine neue Teleskopserie mit dem Namen »Monster Dobson« an.

Größere Version
Macht seinem Namen alle Ehre: Orion Monster-Dobson mit bis zu 1270mm Öffnung

Diese Namensgebung ist durchaus gerechtfertigt, weisen die drei erhältlichen Dobsons doch Öffnungen von 36", 40" und 50" auf. Das Öffnungsverhältnis beträgt f/4 bzw. f/3,75 beim 50"-Modell, das weltweit das größte kommerziell erhältliche Dobson-Teleskop darstellt. Damit ist auf jeden Fall eine lange Leiter erforderlich inklusive der erforderlichen Schwindelfreiheit, beträgt die Brennweite doch 4,76m. Die Konstruktion besteht vorwiegend aus Carbon, Aluminium und Aluminium/Holz-Komposit, um ausreichende Steifigkeit bei »geringem« Gewicht zu erreichen (die 36"-Version wiegt etwas über 180kg). Laut Hersteller sollen die Teleskope durchaus noch mobil nutzbar sein, was u.a. durch die teilbaren Carbon-Rohre des Gittergestänges unterstützt wird. Ausgerüstet sind die Teleskope mit Moonlite-Okularauszügen, digitalen Teilkreisen, Argo-Navis-GoTo-Astrocomputer und dem ServoCAT-Tracking-System, das die Teleskope automatisch nachführt, so dass der Nutzer sich uneingeschränkt auf die Beobachtung konzentrieren kann. Als Spiegelträger wird Borsilikatglas in Wabenstruktur verwendet, um hier ebenfalls das Gewicht möglichst gering zu halten. Die Optiken stammen vom bekannten Teleskop-Baumeister Normand Fullum und sind laut Orion mindestens beugungsbegrenzt.

Haupt- und Sekundärspiegel sind mit Aluminiumschichten mit 96% Reflexionsvermögen belegt, optional ist für den Sekundärspiegel auch eine dielektrische Beschichtung erhältlich. Bei allen Superlativen werden diese Teleskope nur einem sehr kleinen Personenkreis vorbehalten sein, liegen die Preise doch bei stolzen 55600$, 80000$ und 123000$.

Frank Gasparini

 
LINKS ZUM ARTIKEL
PRESSEMITTEILUNG DES US-KNOTENS:
www.astronomy2009.org/news/
updates/714
 

Dieses Wochenende finden im italienischen Padua die Abschlussfeierlichkeiten des International Year of Astronomy statt, und das Motto »Beyond 2009« ist Programm: Man darf mit der Verkündung einer Reihe von Programmen rechnen, die an die Erfolge der weltweiten astronomischen »Bewusstseinserweiterung« anknüpfen sollen. Ein paar Facetten sind schon jetzt aus dem nordamerikanischen IYA-Knoten bekannt geworden: So wird die Produktion des Galileoscope von einer Lehrmittelfirma übernommen, zunächst in unverändertem Design (und zu höheren Kosten), die vielen großen astronomischen Ausstellungstafeln, die zum IYA hergesellt wurden, kommen in eine Art Tauschbörse – und den ganzen April 2010 hindurch soll es verstärkt Starparties geben; praktischerweise steht als deutscher Astronomietag bereits der 24. April fest.

Daniel Fischer

 
LINKS ZUM ARTIKEL
KOMPLETTES ASTRONOMISCHES FERNSEHPROGRAMM:
www.manfredholl.de/tvguide.htm
 

Das Astronomische Fernsehprogramm vom 8.1.–22.1.2010 (Auswahl)

Datum Uhrzeit Sender Titel der Sendung Dauer Wiederholung
8.1. 15:00 MEZ WDR Planet Wissen: Die Eroberung des Mondes – Vom Fußabdruck zur Mondstation 60min SWR 3: 15:00
Eins Plus: 17:45
BR-alpha: 21:45
SWR 3: 9.1.: 5:00
BR 3: 11.1.: 12:30
RBB: 11.1.: 14:15
10.1. 2:30 MEZ Phoenix Geheimnisvolles Polarlicht 45min 21.1.: 3:00
20:00 MEZ BR-alpha Alpha Centauri: Woher kommt die Röntgenstrahlung im All? 15min
13.1. 22:45 MEZ BR-alpha Alpha Centauri: Was nützt uns Jupiter? 15min 14.1: 1:45, 8:15
17.1.: 20:00
14.1. 19:45 MEZ ARD Wissen vor 8: Wie entsteht Schwerelosigkeit? 3min
20:15 MEZ Phoenix Der Raketenmann: Wernher von Braun und der Traum vom Mond 90min 15.1.: 7:30, 18:30
20.1. 22:45 MEZ BR-alpha Alpha Centauri: Welche kosmischen Gefahren bedrohen uns? 15min 21.1.: 1:45, 8:15
24.1.: 20:00
21.1. 19:45 MEZ ARD Wissen vor 8: Wie funktioniert das GPS? 3min

Manfred Holl

 

 
MITTEILUNGEN DER REDAKTION

Bald 15 Jahre gibt es die Internetpräsenz der Zeitschrift interstellarum – am 1. Januar 2010 wurde ein neues Kapitel ihrer Geschichte aufgeschlagen. Ein neues modernes Layout, bessere Übersichtlichkeit und vor allem neue Inhalte sind die Kennzeichen der völlig neu konzipierten Webseite.

Blättern Sie in das aktuelle Heft und Themenheft:

www.interstellarum.de/archiv/aktuell/vorschau/Default.html

www.interstellarum.de/archiv/thema/vorschau/Default.html

Betrachten Sie das Bild des Tages – jeden Tag ein neues Amateurfoto aus dem Leserkreis:

www.interstellarum.de/tagesbild.asp

Bestellen Sie Einzelhefte und die Archiv-CDs im neuen Online-Shop

www.interstellarum.de/onlineshop.asp

In den nächsten Wochen und Monaten werden weitere interaktive Inhalte hinzukommen. Wir informieren Sie darüber in unserem Newsletter.

Astronomische Teleskope mit Preisen zwischen 50 und 250 Euro werden heute hauptsächlich in China hergestellt. Die Angebote verschiedener Importmarken – von namhaften Herstellern gleichermaßen wie von Discount-Supermärkten – gleichen sich in Funktion und Ausstattung. Für die Astronomie-Zeitschrift interstellarum wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche dieser Teleskope getestet. Aus den praktischen Erfahrungen mit den teilweise erschreckenden Unzulänglichkeiten dieser »Billigteleskope« entstand die Idee für dieses Buch.

In den meisten Fällen wandern die Teleskope nach einmaliger Benutzung auf den Dachboden. Doch wenn man weiß wie, können diese Geräte trotz ihrer Mängel für erste Versuche am Sternhimmel eingesetzt werden. Dieses Buch gibt Ihnen eine verständliche Anleitung zur Technik und Auswahl des Instruments sowie Tipps zur ersten Benutzung (»First Light«) und den Beobachtungszielen.

Teleskop-1×1: www.oculum.de/oculum/titel.asp?Nr=47