Ausgabe 82
2. April 2009

»100 Stunden Astronomie« haben begonnen

Einen »weltweiten Astronomie-Marathon, der Rekorde brechen wird«, verspricht die Internationale Astronomische Union: Für die 100 Stunden Astronomie von heute bis Sonntag sind auf der Webseite dieses Kernprojekts des Internationalen Astronomiejahrs bereits rund 2000 einzelne Veranstaltungen in über 130 Ländern angemeldet worden, und es gibt sicher noch eine substanzielle »Dunkelziffer«. So sind zum Beispiel für die gesamten vier Tage in Deutschland nur etwa 50 Termine eingetragen worden, während allein die Extra-Webseite zum Astronomietag am Samstag über 160 Veranstaltungen auflistet. Letzterer findet seit 2003 in Deutschland statt, bislang immer im Herbst, aber nun fällt er mit der »Global Star Party« der 100 Stunden zusammen, die rund um den Globus jeweils mit dem lokalen Sonnenuntergang am Samstag beginnen soll. Dabei »wird eine unglaubliche Zahl von Menschen durch ein Teleskop schauen können«, hofft die IAU, die ganz auf den Enthusiasmus der Amateurastronomen des Planeten setzt.

Doch auch manche Fachastronomen lassen sich nicht lumpen und bauen zum Beispiel in München gleich vom 3. bis 5. April eine mobile Sternwarte mitten auf den Odeonsplatz! »Klar, ein bisschen verrückt ist es schon, sich gerade den hell erleuchteten Odeonsplatz als Beobachtungsstandort auszusuchen«, sagt Andreas Müller vom Exzellenzcluster Universe der TU München: »Aber wir wollen damit gerade ein wenig auf das Thema Lichtverschmutzung aufmerksam machen. Vor allem aber wollen wir für das Thema Astronomie begeistern und bringen ein paar tolle Materialien und kommunikative und fachlich versierte Astrofans mit.«

Eingerahmt wird die Starparty von zahlreichen öffentlichen Sternführungen an den anderen Abenden, von Sonnenbeobachtung an den Tagen (vor allem am Sonntag) und anderen Veranstaltungen und natürlich den fast 30 Stunden Webcasts, für die bald 100 astronomische Einrichtungen rund um den Planeten sorgen werden. Einblicke in Forschungsarbeit an abgelegenen Orten oder gar im Weltraum sollen gegeben und Möglichkeiten der Wissenschaftskommunikation aufgezeigt werden. Direkt nacheinander gibt es am heutigen Donnerstag von 17:00 bis 20:30 Uhr ein Eröffnungs-Event aus Philadelphia zu sehen, gefolgt von Schaltungen zu fünf Planetarien, Wissenschaftszentren und Sternwarten unter dem Motto »Space Observation: Past, Present and Future«. Es folgt von 11:00 MESZ am Freitag bis 11:00 MESZ am Samstag das vermutlich aufwändigste Internetprojekt zur Wissenschaftskommunikation aller Zeiten: Koordiniert von der ESO in Garching wird reihum zu 80 Sternwarten geschaltet, die über laufende Arbeiten berichten. Der gesamte Webcast wird glücklicherweise aufgezeichnet, so dass verpasste Teile nachgeholt werden können und es könnte draußen ja auch klar sein! Und wenn nicht: Neun sonst kostenpflichtige Internet-Sternwarten bieten während der 100 Stunden freien Zugang zu ihren Teleskopen an. Insgesamt, so hofft die IAU, werden sich während der 100 Stunden Astronomie über eine Million Menschen in der einen oder anderen Weise gezielt mit dem Kosmos auseinandersetzen und »das größte einzelne wissenschaftliche Outreach-Ereignis aller Zeiten« schaffen.

Daniel Fischer

Pressemitteilung der IAU: www.iau.org/public_press/news/release/iau0908
Pressemitteilung der ESO (zum Webcast): www.eso.org/public/outreach/press-rel/pr-2009/pr-13-09.html
100 Hours Remote Astronomy: www.100hoursofastronomy.org/program/228-100-hours-of-remote-astronomy
Senden Sie uns Berichte Ihrer Veranstaltung!
Berichten Sie von Ihrer Veranstaltung und erzählen Sie Ihre persönlichen Eindrücke. Bitte senden Sie Bilder und Texte an die interstellarum-Redaktion:
Oculum-Verlag GmbH, Westl. Stadtmauerstr. 30a, D-91054 Erlangen
redaktion@interstellarum.de

Empfehlungen der Newsletter-Redaktion:

München, Odeonsplatz
3. bis 5.4., 10 bis 22 Uhr
Auf einem der frequentiertesten Plätze in München wird eine komplette Sternwarte mit 7"-Refraktor und Goto-Montierung aufgebaut. Neben nächtlichen Beobachtungen kann auch die Sonne betrachtet werden.
www.kosmologs.de/kosmo/blog/einsteins-kosmos/iya/2009-03-27/
100-stunden-astronomie-auf-dem-m-nchner-odeonsplatz
Backnang, Waldspielplatz
4.4., ab 19:30 Uhr
Am Stadtrand von Backnang ermöglichen die Backnanger Sterngucker astronomische Beobachtungen. Dabei kommt auch das 76cm-Teleskop zum Einsatz - eines der größten mobilen Geräte in Deutschland.
www.bksterngucker.de/_de/iaj09/backnanger_sternennacht.htm
Sonneberg, Sternwarte
4.4., 13 bis 24 Uhr
Ein umfangreiches Programm mit astronomischen, astronautischen und wissenschaftshistorischen Themen, Raumfahrtsimulationen und Himmelsbeobachtungen.
www.astronomiemuseum-sternwarte-sonneberg.de
Potsdam, Sternwarte Babelsberg
4.4., 18 bis 1 Uhr
Besucher können das Institut erkunden, den Nachthimmel beobachten, 3D-Filme sehen, Fernrohe bauen und sich bei allgemeinverständlichen Vorträgen über die Arbeit der Astrophysiker informieren.
www.aip.de/highlight_archive/lange_nacht2009/
Hamburg, Sternwarte Bergedorf
2. bis 6.4., 16:30 bis 22 Uhr
Internet-Live- und Vor-Ort-Beobachtungen mit sechs Teleskopen einer der größten Sternwarten Deutschlands.
www.hs.uni-hamburg.de/DE/Oef/Ver/100Stunden.html
Bad Münstereifel, Radioteleskop Effelsberg
4.4., ab 13 Uhr
Sonderprogramm im Besucherpavillon direkt am Standort des 100m-Radioteleskops mit Vorträgen und einer Live-Schaltung in den Kontrollraum des Radio-Observatoriums.
www.mpifr-bonn.mpg.de/public/pr/pr-tda09.html
Zürich, Rathausbrücke
2. bis 5.4., 12 bis 24 Uhr
Die Astronomische Gesellschaft Urania Zürich hat vom Do. 2. April bis So. 5. April jeweils am Abend Teleskope auf der Rathausbrücke aufgestellt.
aguz.astronomie.ch/News/news_hundertstunden.htm
Wien, Naturhistorisches Museum
4.4., 13 bis 21 Uhr
Astronomische Fernrohre in Aktion im und vor dem Museum, außerdem Aktionen von Künstlern und Vorträge.
www.astronomie2009.at/kalender/termin-anzeige.php?terminId=644
St. Corona (Niederösterreich), Leopold-Figl-Observatorium
5.4., 12 bis 16 Uhr
Das größte Teleskop Österreichs (1,5m Durchmesser) in Aktion.
www.astronomie2009.at/kalender/termin-anzeige.php?terminId=730

Weitere Termine:

Astronomietag: www.astronomietag.de, www.astronomietag.ch
Deutscher IYA-Terminkalender: www.astronomie2009.de/terminkalender/month
Österreichischer IYA-Terminkalender: www.astronomie2009.at/kalender/termin-liste.php
Aktuelle Ereignisse
Wichtige Astronomische Ereignisse vom 1.4. — 17.4.2009
1.4. 23:36:00 MESZ Mond passiert M 35 1° 21' nördlich
2.4. 16:33:47 MESZ Mond Erstes Viertel
8.4. 11:47:48 MESZ Eunomia in Opposition
9.4. 16:55:53 MESZ Vollmond
17.4. 15:36:26 MESZ Mond Letztes Viertel
Zeiten bezogen auf die Mitte des deutschen Sprachraums (Nürnberg).

Venus am Morgenhimmel

Die schmale Venussichel am 20. März, fotografiert mit einem 14"-SCT. [Mario Weigand]

Indem unser innerer Nachbarplanet am 27. März in unterer Konjunktion stand und in 8° 10' an der Sonne vorbeiging, wechselte Venus innerhalb von wenigen Tagen vom Abend- zum Morgenstern. Frühaufsteher können gegen 6 Uhr MESZ die Venus tief am Osthorizont erspähen. In ähnlicher Höhe über dem Horizont, aber gut 30° weiter südlich ist auch Jupiter zu sehen. Die Abstände zur Sonne vergrößern sich in den nächsten Wochen deutlich. Venus bewegt sich zunächst noch weg von der Sonne, kehrt aber um den 15.4. um und folgt ihr nach. Die Beobachtungsbedingungen verbessern sich dabei aber nur langsam. Unbedingt lohnend sind Tagbeobachtungen der schmalen Venussichel, die sich selbst in einem kleinen Fernglas zeigt.

Ronald Stoyan

Senden Sie uns Ihre Aufnahmen!
Wir suchen Ihre Bilder aktueller astronomischer Ereignisse! Laden Sie Ihre digitalen Fotos direkt auf unseren Server. Ihre Bilder werden für diesen Newsletter und die gedruckte Zeitschrift verwendet.
Bilder einsenden für interstellarum: www.interstellarum.de/aktuelleereignisse.asp
Meldungen aus der Forschung

Asteroid stürzte auf die Erde: 280 Meteoriten gefunden

Zuerst war alles furchtbar schnell gegangen: Ein Kleinplanet wird in Erdnähe entdeckt, seine Bahn intensiv verfolgt und schon 19 Stunden später tritt er in die Erdatmosphäre über dem Sudan ein und vergeht in einem grellen Blitz in 37 km Höhe, der mit verschiedenen Methoden beobachtet wird. Im Morgengrauen wird dann noch eine vom Winde zersauste Teilchenspur in der Atmosphäre gesichtet, doch das schien, am 6. Oktober 2008, das Ende der Geschichte von 2008 TC3 gewesen zu sein.

Einer der größeren Funde von Meteoriten des Asteroiden 2008 TC3 am 8. Dezember 2008, mit Studenten der Universität von Khartoum, Peter Jenniskens und Muawia Shaddad vom Physikalischen Institut der Universität. [Jenniskens/SETI Institute]

Im Geheimen ging sie aber weiter: Details der Explosion hatten den niederländischen Meteorspezialisten Peter Jenniskens heute am SETI-Institut in Kalifornien beschäftigt trotz ihrer großen Höhe zu der Vermutung gebracht, es könnte eine Restmasse des nur vier Meter großen und 80 Tonnen schweren Himmelskörpers den Boden erreicht haben. Zusammen mit einem Physikprofessor der Universität von Khartoum und zahlreichen Stundenten wurde zwei Monate nach dem Fall eine systematische Suchaktion in der Wüste gestartet und bereits am zweiten Tag, dem 6. Dezember, stieß einer der Stundenten tatsächlich auf den ersten Meteoriten; auch Jenniskens selber wurde später mehrmals fündig. Inzwischen ist das Gelände mehrfach durchkämmt worden, und schon 280 Bruchstücke des Himmelskörpers sind gefunden worden. Die ersten Funde waren vor einigen Wochen eher versehentlich bekannt geworden, aber nun gibt es die Geschichte der ersten 47 Funde auch im Detail in der Zeitschrift »Nature« nachzulesen, garniert mit einigen kuriosen Details des Meteoritenfalls.

Entgegen ersten Vermutungen hat es nämlich tausende von Augenzeugen gegeben: Die Explosion über dem Sudan fiel just in die Zeit nach dem ersten Morgengebet! Dieses verpasst zu haben scheint indes der Eisenbahner Abdel Moniem Magzoub, der in der entlegenen Station Nr. 6 eingeschlafen war: Der erste grelle Blitz am Himmel weckte ihn auf, und er konnte noch weitere Blitze sehen und später ein Geräusch hören, das er als »doe-doe-doe-doe-doe« beschrieb. Solche Augen- und Ohrenzeugenberichte waren entscheidend, um das Suchgebiet für die Meteoriten weiter einzugrenzen das mit Trümmern des Asteroiden gut angefüllt war. Selbst als der Bus einer Suchtruppe im Sand stecken blieb, lag direkt daneben wieder einer der Meteoriten. Und diese haben es in sich: Es handelt sich bei den »Almahata Sitta«-Funden (»Bahnstation 6« auf Arabisch) um Achondriten des Ureilit-Typs, doch mit abweichender Struktur, denn sie sind sehr porös und enthalten große Kohlenstoff-Körner, und das Material ist zerbrechlicher als alles, was es bisher in Meteoritensammlungen gibt. Durch eine große Kraftanstrengung war es Astronomen mit dem William Herschel Telescope auf La Palma noch gelungen, 2008 TC3 kurz vor seinem Untergang zu spektroskopieren: Aus diesen Daten wie auch Spektren der Meteoriten lässt sich der Asteroid nun eindeutig der Klasse F zuschreiben. Und da die Bahn des Körpers vor seinem Kontakt mit der Erde dank der Astrometrie noch im Weltraum 10000 Mal genauer bekannt ist als in anderen Fällen, wo man allenfalls die feurige Spur in der Atmosphäre kennt, lässt sich 2008 TC3 sogar in eine bestimmte Region des Hauptgürtels zurückverfolgen, wo er ein Splitter des 3km-Asteroiden 1998 KU gewesen sein könnte.

Daniel Fischer

Bilder der Meteoritensuche: asima.seti.org
JPL Pressemitteilung: www.jpl.nasa.gov/news/features.cfm?feature=2094
Der Bolide: www.oculum.de/newsletter/astro/000/70/0/70.ap4lo.htm#5

Supernova-Vorgänger wirklich verschwunden

Schon eine ganze Reihe Supernova-Explosionen des Typs II gibt es, bei denen später in Archiven so scharfe Aufnahmen ihrer Galaxien aufgestöbert werden konnten, dass verdächtige helle Sterne genau am Ort der späteren Explosion auszumachen waren.

Ein Stern verschwindet: links ein Hubble-Bild eines Spiralarmes der Galaxie NGC 266 im Jahre 1997; ein Stern der absoluten Helligkeit -10m, d.h. mit einer Million Sonnenleuchtkräften, ist markiert. In der Mitte am 11.11.2005 an genau dieser Stelle die Supernova 2005gl. Rechts wiederum derselbe Ausschnitt am 26.9.2007: Der helle Stern ist verschwunden. [NASA, ESA, and A. Gal-Yam (Weizmann Institute of Science, Israel)]

Das war ein klarer Hinweis darauf, dass das Standardbild dieser Art von Sterntod, der Zusammenbruch eines Sterns großer Masse und damit auch Leuchtkraft der Wirklichkeit entsprach. Bloß fehlte bislang der letzte Beweis: Nach dem Verblassen der Supernova musste der mutmaßlich explodierte Stern verschwunden sein. Ende März haben zwei praktisch zeitgleich erschienene Arbeiten nun derartige Bilder für gleich drei Fälle präsentiert, keines davon ein ästhetischer Gewinn, aber die entscheidenden Pixel sind jeweils verblasst. Manches erwartete Szenario hat sich genau bestätigt, aber es gab auch Überraschungen.

Darunter ist der Fall der Supernova 2003gd in Messier 74: Hier ist eindeutig ein roter Überriese von 6 bis 13 Sonnenmassen mit Spektraltyp M verschwunden, während die Supernova noch glüht. Bei SN 1993J hingegen hat sich die Explosion in einem Binärsystem ereignet: Explodiert ist vermutlich ein Stern von 15 Sonnenmassen, der bei seiner schnelleren Evolution viel Masse an einen nur etwas masseärmeren Begleiter verlor. Dieser schwoll auf 22 Sonnenmassen an, während der explodierte Stern zu einem Überriesen des Spektraltyps K (statt M) mutierte. Die neuen Beobachtungen zeigen nun, dass der Begleiter noch vorhanden ist, der K-Überriese aber nicht mehr. Und ebenfalls verschwunden ist der Leuchtkräftige Blaue Veränderliche NGC 266_LBV 1 von rund 50 Sonnenmassen, der damit als Vorgänger der Supernova 2005gl feststeht was eine Überraschung ist, weil solch massereiche Sterne gemäß heutigen Entwicklungsmodellen nicht schon in der LBV-Phase explodieren sollten. Das gibt zu denken: Womöglich kann den prominenten LBV Eta Carinae in unserer eigenen Milchstraße sein Ende früher ereilen als gedacht!

Daniel Fischer

Veröffentlichung zu den ersten beiden Supernovae: arxiv.org/abs/0903.3772
Mitteilung des Weizmann Institute: wis-wander.weizmann.ac.il/site/en/weizman.asp?pi=371&doc_id=5513
Mitteilung zum Hubble Space Telescope: hubblesite.org/newscenter/archive/releases/2009/13/full

Struktur der Milchstraße besser verstanden

Die Örter von massereichen Sternentstehungsgebieten in der Milchstraße, deren Distanzen über die Parallaxe direkt gemessen wurden: Bei den 12 blauen Positionen wurden Methanol-Maser benutzt, bei den grünen Maserstrahlung anderer Moleküle. Als Hintergrundbild wurde eine bekannte künstlerische Darstellung der Milchstraße so »gezoomt«, dass die Sternentstehungsgebiete in den Spiralarmen zu liegen kamen. Auch markiert das Zentrum der Galaxis und der Ort der Sonne. [NRAO]

Unsere Position mitten drin erschwert bekanntlich die Erforschung der großräumigen Struktur der Milchstraße gewaltig: Sowohl die Zahl ihrer Spiralarme als auch deren Entfernung und Lage im Raum sind trotz einer Fülle von Untersuchungsmethoden weiterhin strittig. Im Januar sorgte eine Studie für Aufsehen, nach der angeblich die Zahl der Arme eindeutig auf vier festgelegt worden sei und sich überdies die Masse der Milchstraße so zu erhöhen scheine, dass sie derjenigen der Andromedagalaxie entspräche. Wenig Details waren damals bekannt, aber nun wurden sie in einem radioastronomischen Newsletter nachgereicht: Die kühnen Aussagen basieren lediglich auf ein paar Fixpunkten im All, und die Forschung hat gerade erst begonnen.

Aber sie weist tatsächlich einen Weg zu einer zuverlässigen Vermessung der Milchstraße mittels direkter, geometrischer Entfernungsbestimmung zu massereichen Sternentstehungsgebieten. Dort kann es zur Ausbildung von kompakten Maser-Quellen kommen, deren Orte am Himmel (relativ zu fernen Radiogalaxien) ein weltweites Netzwerk von Radioteleskopen mit extremer Präzision bestimmen kann. Und zwar so präzise, dass sie im Laufe eines Jahres eine winzige Ellipsenbewegung beschreiben: der klassische Parallaxeneffekt, aus dem sich direkt und ohne weitere Annahmen die Entfernung der Maser und damit der Sternentstehungsgebiete berechnen lässt. Eine Handvoll Vektoren zu Masern in benachbarten Armen der Milchstraße ist das Ergebnis, zu dem dann das Gesamtbild der Galaxis modelliert werden muss. Das vorläufige Ergebnis: Die Milchstraße rotiert am Ort der Sonne mit 254 ±16km/s oder 15% schneller als bisher angenommen, und das ganze Rotationsmuster deckt sich nun praktisch mit dem der Andromeda-Galaxie, was die beiden Sternsysteme zu »gleichen Brüdern« mache. All dies basiert aber auf gerade einmal den ersten 18 vermessenen Masern in einem kleinen Teilgebiet der Milchstraße

Daniel Fischer

Detaillierter Artikel: www.nrao.edu/news/newsletters/enews/enews_2_3/enews_2_3.shtml#milkyway
Frühere NRAO-Pressemitteilung: www.nrao.edu/pr/2009/mwrotate
Fischer, Daniel: Das neue Bild der Milchstraße, Wieviele Spiralarme hat die Galaxis? interstellarum 60, 14-18 (2008)

Rätsel der Heizung der Sonnenkorona gelöst?

Die Forschungsarbeit selbst klingt eigentlich überzeugend, aber dass sie die Zeitschrift »Science« zusammen mit einem populären Artikel veröffentlichte, der ungewöhnlich in der Wissenschaftspublizistik überwiegend negative Kommentare anderer Sonnenforscher enthält, gibt zu denken. Mit dem schwedischen 1-Meter-Sonnenteleskop auf La Palma waren bei höchster Auflösung (100 Kilometer) Schwingungen im Zusammenhang mit hellen Flecken in der Photosphäre entdeckt worden, die die Autoren als Signatur von Alfvén-Wellen interpretieren, einer Art Verdrillungswellen, die Energie in höhere Schichten der Sonnenatmosphäre und schließlich die Korona tragen sollten. Nach ihren Hochrechnungen würde der Energiefluss auf diesem Wege ausreichen, um die gesamte Korona auf ihre gemessenen Millionen Grad zu bringen. Doch den eigentlichen Heizungsmechanismus dort beschreibt die Arbeit nicht, und andere Forscher zweifeln sogar den klaren Nachweis der Alfvén-Wellen selbst an: Die populäre Alternative der Korona-Heizung durch Mikroflares bleibt einstweilen im Rennen. Daniel Fischer

CORDIS-Pressemitteilung: cordis.europa.eu/search/index.cfm?fuseaction=news.document&N_RCN=30598
Nachrichten aus der Astro-Szene
Terminkalender vom 2.4. — 17.4.2009
2. 4.4. Hundert Stunden Astronomie mit über 1200 Veranstaltungen im deutschen Sprachraum
Deutschland: www.astronomy2009.de
Österreich: www.astronomie2009.at
Schweiz: www.astronomie2009.ch
4.4. 7. Astronomietag 2009 Vereinigung der Sternfreunde (VdS), www.astronomietag.de
3. 5.4. CEDIC Central European Deepsky Imaging Conference in Linz, Österreich Ars Electronica Center, Hauptstrasse 2-4, 4020 Linz, Österreich, www.cedic.at

»Galileoscope« kommt nach Deutschland

Das »Galileoscope« soll es möglichst vielen Menschen ermöglichen, selbst einen Blick an den Himmel zu werfen. Das Objektiv hat 50mm Durchmesser und eine Brennweite von 500mm. Mit dem mitgelieferten 20mm-Okular ergibt sich eine Vergrößerung von 25×, es können aber auch andere 1 ¼"-Okulare eingesetzt werden. [Galileoscope]

Wenn man es direkt in den USA bestellt, kostet der Versand des speziell für das Internationale Jahr der Astronomie entwickelten (und in China produzierten) Galileoscope noch einmal so viel wie das Gerät selbst doch das ist bald Vergangenheit: Das deutsche Unternehmen AstroShop ist am 31. März Generalimporteur für Deutschland geworden. Für etwa 20 Euro sollen die Teleskope angeboten werden, mit Mengenrabatt bei größeren Bestellungen. Das Objektiv hat 50mm Durchmesser, mit dem mitgelieferten Okular ergibt sich ein Keplersches Teleskop von 25-facher oder mit einer Barlowlinse 50-facher Vergrößerung. Wenn man dagegen nur die Barlowlinse einsetzt, entsteht ein Galileisches Fernrohr zu Demonstrationszwecken. interstellarum bereitet einen Test des Gerätes vor.

Daniel Fischer

Informationen zum Gerät: www.galileoscope.org
IYA-Seite von AstroShop: www.astroshop.de/100-stunden-astronomie
Test-Video durch einen Prototypen: halfastro.wordpress.com/2009/03/10/300

Modernster Fulldome-Projektor für das Bochumer Planetarium

Ein VELVET-Videoprojektor mit DIGIGON-80-Objektiv: Weniger als ein Dutzend dieser neuartigen Projektoren können bereits eine große Planetariumskuppel ausleuchten mit einem bis dato unerreichten Kontrastverhältnis. [Zeiss]

Seit März steht der Vertrag: Im kommenden Winter erhält das Planetarium in Bochum zusätzlich zu seinem optomechanischen Sternenprojektor Universarium Mark IX, der immer noch der modernste der Welt ist, auch noch eine Ganzkuppel-Videoprojektionsanlage, die synchron mit den superscharfen Sternen des Universariums ein völlig neues Planetariumsgefühl verspricht. Denn zum ersten Mal weltweit wird in einem Großplanetarium ein Projektionssystem mit VELVET-Technologie installiert, die überhaupt erst diesen Sommer in Serienfertigung geht, bei Demonstrationen jedoch schon größtes Erstaunen hervorgerufen hat. Mit einer im eigenen Hause entwickelten Technologie, deren entscheidender Durchbruch selbst den Kunden nicht verraten wird, ist es der Carl Zeiss Jena GmbH gelungen, ein Kontrastverhältnis von gemessenen 2,5 Millionen zu 1 zu erreichen, während gewöhnliche Videoprojektoren bestenfalls 30000:1 schaffen. Schaltet man solch einen Projektor in einem stockdunklen Raum ein und projiziert man schwarze Pixel, dann so Augenzeugen bleibt die Wand schwarz. Setzt man dagegen Beamer der alten Bauart solo ein, dann mag der stets etwas graue Himmel zwischen den projizierten Sternen und Planeten nicht besonders stören, aber in Kombination mit der Sternenpracht des Universariums hätte die »Lichtverschmutzung« durch solche Beamer einen spürbaren Verlust an Realismus mit sich gebracht.

Die einzige Alternative, Laserprojektion, hat wieder andere Nachteile wie hohen Wartungsaufwand, so dass die Markteinführung von VELVET perfekt in die Bochumer Zukunftsplanung passte. Die herkömmliche Projektionstechnologie zur Ergänzung des reinen Sternenhimmels mit Röhrenbeamern und dutzenden Diaprojektoren wird zudem kaum mehr unterstützt, was genau so für die betagte Steuerelektronik gilt. Viele Planetarien mustern beim Umstieg auf die Ganzkuppelvideoprojektion die bewährten optomechanischen Sternenprojektoren gleich ganz aus oder lassen sie ausgeschaltet aber selbst die modernsten Beamer erreichen noch lange nicht die Brillanz von einzeln per Glasfaser an den Himmel geworfenen Sternen, von der Schärfe der Lichtpunkte an der Kuppel ganz zu schweigen. Die Parallellösung für Bochum, mit einem gemeinsamen Steuerrechner für Universarium und die VELVETs, könnte den Weg in die beste beider Welten weisen.

Daniel Fischer

Pressemitteilung von Zeiss:
www.zeiss.de/C1256A770030BCE0/WebViewTopNewsAllD/46DAE556950BB6D1C125758600498F57?OpenDocument
Pressemitteilung der Stadt Bochum:
www.bochum.de/C125708500379A31/CurrentBaseLink/E6962F364C28052DC125757500529037?open
Details zu VELVET:
www.zeiss.de/C12567B00038651B/ProductFinder/C2861C8605E08BB1C125747F005214FB

Deep Sky Meeting verbindet visuelle Beobachtung und Selbstbauer

Gespräche sind es, die eine Tagung so wertvoll machen auf dem Deep Sky Meeting in Ittenhausen ideal möglich. [Günther Müller]

Welche Disziplinen der Amateurastronomie passen gut zusammen? Nicht immer harmonieren Sternfreunde mit unterschiedlichen Interessen. Gerade in der Deep-Sky-Beobachtung ist zu beobachten, dass visuell und fotografisch arbeitende Sternfreunde sich zunehmend voneinander entfernen.

Hans-Jürgen Merk und Tobias Schöller, die Organisatoren des zum ersten Mal ausgetragenen Deep Sky Meetings in Ittenhausen, einem abgelegenen Ort auf der Schwäbischen Alb, haben einen neuen Weg betreten: Der Selbstbau von Teleskopen, insbesondere solchen großen Durchmessers auf Dobson-Montierungen, findet nicht nur bei eingefleischten ATMlern (»Amateur Telescope Making«), sondern auch bei visuellen Beobachtern Interesse. Umgekehrt finden es auch viele Selbstbauer spannend, was man mit den eigenhändig konstruierten großen Geräten sehen kann.

Das Treffen in der Schwäbischen Provinz setzte diese Themen erfolgreich zusammen: Reiner Vogel und Timm Klose waren mit ihren selbstgebauten Teleskopen angereist. Visuelle Beobachter wie Uwe Glahn und Thomas Jäger, beide selbst passionierte Teleskopbauer, schlugen die Brücke zu den visuellen Zeichnern wie Christian Lutz und dem Autor dieses Textes. Die sehr entspannte Atmosphäre und das lockere Programm trugen zu einer sehr gelungenen Auftaktveranstaltung bei, die hoffentlich im nächsten Jahr fortgesetzt wird.

Ronald Stoyan

Neue Phase von Einstein@home angelaufen

Diesmal wird nicht nach Gravitationswellen, sondern nach exotischen Sternsystemen gesucht: Den über 200000 Computern, die bei Einstein@home mitmachen, werden derzeit Daten der großen Pulsar-Durchmusterung PALFA mit dem Radioteleskop von Arecibo zugeführt, um nach kurzperiodischen Schwankungen in den Pulsfolgen der Neutronensterne zu suchen. Nur so würden sich Systeme verraten, bei denen ein Pulsar in sehr geringem Abstand um einen anderen Neutronenstern (oder ein Schwarzes Loch) kreist, wobei sich eine Menge relativistische Effekte bemerkbar machen sollten. Die blinde Suche nach Perioden unter einer Stunde (das bisherige Rekordsystem hat 2,4 Stunden Umlaufszeit) ist freilich extrem rechenintensiv, weshalb die gespendete Rechenpower der PCs in aller Welt die ideale Lösung darstellt: Sie entspricht einem unbezahlbaren Cluster aus 50000 Computern, die nichts anderes tun. Daniel Fischer

Cornell Chronicle: www.news.cornell.edu/stories/March09/cordes.palfa.einstein.html

Schüler messen Mond-Entfernung mit Apollo-Echos

Ganz gelegentlich nahmen die Mikrofone in den Helmen der Apolloastronauten das Echo ihrer eigenen Worte auf, die zur Erde und wieder zurück gewandert waren und über die Kopfhörer erneut zum Mikrofon gelangten: Diesen Effekt haben 14- bis 19-jährige italienische Schüler ausgenutzt, um die Entfernung zum Mond während der Apollo-11-Mission und sogar die abnehmende Monddistanz während des langen Aufenthalts der Apollo-17-Crew auf der Oberfläche zu messen. Die Entfernung des Mondes und die Exzentrizität seiner Umlaufbahn, die aus der in weitgehend selbstständiger Arbeit durchgeführten Analyse folgen, entsprechen auf drei Stellen genau den Erwartungen. Und der unter Didaktikern gefeierte Erfolg liefert zugleich einen Beweis (mehr) dafür, dass die Astronauten wirklich auf dem Mond waren: Die subtilen Echos waren erst Jahrzehnte später mit moderner Audiosoftware zu erkennen. Daniel Fischer

Die Originalarbeit: arxiv.org/abs/0903.3367
Zusammenfassung: www.technologyreview.com/blog/arxiv/23205
Deutsches Lob:
www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/03/echos-vom-mond-ein-beeindruckendes-schulerexperiment.php
TV-Hinweise (von Manfred Holl)
2.4. 18:30, 3 Sat nano: u.a.: Tscherenkov-Teleskop sucht Quasare (30 min.), Wdh.: 3.4.: 1:00, 9:45, SWR: 4:30, 7:00, MDR: 7:15, SF 1: 10:30, RBB: 12:00, BR-alpha: 16:30
3.4. 5:45, Eins Plus Meilensteine der Naturwissenschaft und Technik: Johannes Kepler die Bahnen der Planeten (15 min.), Wdh.: 4.4.: 2:45
4.4. 6:45, ZDF info WissensWERTH: Das Jahr der Astronomie (15 min.), Wdh.: 9:15, 5.4.: 4:45, 6.4.: 2:45, 17:15, 7.4.: 19:20, 8.4.: 22:00, 9.4.: 13:02, 10.: 6:45
5.4. 17:03, ARD W wie Wissen: Reiseziel Mond (27 min.), Wdh.: ARD: 9.4.: 3:40, Eins Plus: 21:30, 7.4.: 13:30, 8.4.: 10:30, 9.4.: 6:30, 10.4.: 3:30, 11.4.: 0:30, BR-alpha: 8.4.: 23:00
20:00, BR-alpha Alpha Centauri: Was ist Zeit in der SRT? (15 min.)
7.4. 19:15, BR-alpha ALL-Wissen: Alpha Centauri mit Harald Lesch und Meilensteine der Naturwissenschaft und Technik (30 min.)
8.4. 22:45, BR-alpha Alpha Centauri: Was sind Chondrulen? (15 min.), Wdh.: 9.4.: 1:45, 8:15
10.4. 20:00, BR-alpha Alpha Centauri: Was sind W&Z Bosonen? (15 min.)
12.4. 20:00, BR-alpha Alpha Centauri: Was sind natürliche Reaktoren? (15 min.), Wdh.: 13.4.: 20:00
14.4. 19:15, BR-alpha ALL-Wissen: Alpha Centauri mit Harald Lesch und Meilensteine der Naturwissenschaft und Technik (30 min.)
15.4. 0:45, Phoenix Entscheidung Längengrad (45 min.)
22:45, BR-alpha Alpha Centauri: Wandern Planeten? (15 min.), Wdh.: 16.4.: 1:45, 8:15
17.4. 2:30, 3 Sat hitec: Jupiters geheimnisvoller Eismond (30 min.)
3:30, 3 Sat hitec: Es geschah in Tunguska (30 min.)
Mitteilungen der Redaktion

Lektor/in Astronomie gesucht

Der Oculum-Verlag stellt ein: Für interstellarum und diesen Newsletter, aber auch für das astronomische Buchprogramm der Astronomie-Experten wird ein/e Lektor/in zur Festanstellung im Büro im fränkischen Erlangen gesucht. Bewerber sollten sowohl über ein abgeschlossenes naturwissenschaftliches Studium (idealerweise Astronomie/Physik), als auch fundierte amateurastronomische Praxiskenntnisse verfügen. Ein sicherer und geübter Umgang mit der deutschen Sprache ist Grundvorraussetzung, Berufserfahrung im Bereich Lektorat/Korrektorat ein großes Plus.

Bewerbungen werden ausschließlich schriftlich erbeten an die Verlagsadresse:
Oculum-Verlag GmbH, Westl. Stadtmauerstr. 30a, D-91054 Erlangen

Ausführliche Stellenbeschreibung: www.oculum.de/stellen/

Schon teilgenommen an der Okular-Umfrage?

Wer baut die besten Okulare? Welcher Okulartyp hat die höchste Nutzerzufriedenheit? Welcher Okularhersteller ist am meisten verbreitet? Interessieren Sie diese Fragen auch, dann dürfen Sie unsere große Okular-Umfrage nicht verpassen die zweite große interstellarum-Umfrage nach der Teleskop-Umfrage im vergangenen Jahr. Selbstverständlich werden Ihre Antworten anonym erhoben. Nehmen Sie sich fünf Minuten Zeit und sagen Sie uns Ihre Meinung!

interstellarum-Teleskop-Umfrage: www.oculum.de/interstellarum/umfrage.asp

Alte Teleskopprospekte gesucht!

Besitzen Sie noch Werbeprospekte, Broschüren oder Preislisten von Amateurteleskopen vor dem Jahr 1989? Für ein Buchprojekt über historische Amateurfernrohre sucht die Redaktion Material zu Amateurteleskopen (keine Spektive und Ferngläser) aller Marken und Sprachen, insbesondere Kataloge, auch von Kaufhausfernrohren. Wir sind dankbar für jede Einsendung, gleich ob als Original, Kopie oder Scan. Auf dem Postweg zugesandte Materialien werden auf ausdrücklichen Wunsch gerne zurückgesandt. Bitte senden Sie digitales Material auf CD, bitte nicht per E-Mail einsenden.

Bitte richten Sie Ihre Sendung an die Verlagsadresse:
Oculum-Verlag GmbH, Westl. Stadtmauerstr. 30a, D-91054 Erlangen
Jeder Einsender erhält ein kleines Dankeschön!

Informationen zum Newsletter sowie Hinweise zur An- und Abmeldung erhalten Sie unter www.oculum.de/interstellarum/newsletter.asp. Schreiben Sie uns, wenn Sie Fragen, Wünsche oder Anregungen haben — wir helfen gerne weiter!