Ausgabe 70
17. Oktober 2008
Aktuelle Ereignisse
Wichtige Astronomische Ereignisse vom 17.10. — 31.10.2008
21.10. Orioniden (ORI), Dauer: 2.10.—7.11., ZHR: 23
21.10. 13:54:41 MESZ Mond Letztes Viertel
22.10. 04:05:59 MESZ Mond passiert M 44 1° 12' südlich
22.10. 12:02:48 MESZ Merkur in größter westlicher Elongation 18,3°
29.10. 00:13:55 MEZ Neumond
29.10. 16:43:41 MEZ Vesta erreicht größte Helligkeit 6,5m
30.10. 02:40:41 MEZ Vesta in Opposition
Auszug aus: »Das Astronomische Jahr 2008«, interstellarum-Jahrbuch. Zeiten bezogen auf die Mitte des deutschen Sprachraums (Nürnberg).

Kleinplanet Vesta in Opposition

Vesta wurde als vierter Planetoid am 29. März 1807 von Heinrich Olbers in Bremen entdeckt, der bereits 1802 Pallas gefunden hatte. Mit einem mittleren Sonnenabstand von 2,36AE liegt ihre Bahn im inneren Teil des Planetoiden-Hauptgürtels. Bemerkenswert ist ihre geringe Bahnexzentrizität von 0,089, wodurch ihre Oppositionshelligkeiten wenig schwanken. Bei der diesjährigen Opposition am 30. Oktober erreicht Vesta eine Helligkeit von 6,4m. Man findet sie etwa 5° westlich des 2,5m hellen Hauptsterns des Walfischs (α Ceti), der den Namen Menkar trägt. Sie zieht nördlich des berühmten Veränderlichen Sterns Mira vorbei. Wie aus Aufnahmen des Hubble-Weltraumteleskops hervorgeht, ist Vesta etwas unregelmäßig geformt und hat einen mittleren Durchmesser von ungefähr 550km; sie ist damit nach Ceres und knapp hinter Pallas der drittgrößte Planetoid. Der größte, Ceres, ist neuerdings allerdings als Zwergplanet klassifiziert worden. Ungewöhnlich hoch ist Vestas Albedo von über 40%. Damit kann sie heller werden als alle übrigen Planetoiden.

Peter Friedrich

Ungewöhnlich langer Ausbruch des Kometen 29P/Schwassmann-Wachmann

Dieser periodische Komet ist zwar für seine häufigen Helligkeitsausbrüche bekannt, aber der gegenwärtige scheint aus dem Rahmen zu fallen: Er ist der hellste seit 2004 und dauert bereits so lange, dass man von einer ständigen Nachlieferung großer Staubteilchen in die Koma ausgehen muss. Zwei Wochen lang ist die Helligkeit des Kometen kontinuierlich angestiegen: Das lässt vermuten, dass eine Stelle auf seinem Kern aktiviert worden ist nun seither in großer Menge Staub in die Koma bläst, die nunmehr eine visuelle Gesamthelligkeit von 10. Größe besitzt. Daniel Fischer

Beobachtungsbericht: www.astronomerstelegram.org/?read=1754

Der McNeil'sche Nebel ist wieder hell geworden

Anfang 2004 war der Amateurastronom Jay McNeil in der Nähe des bekannten Reflexionsnebels Messier 87 auf einen weiteren kompakten Nebel gestoßen, den es vorher nicht gegeben zu haben schien: Der veränderliche Stern V1647 Orionis hatte einen Ausbruch erlebt, und das Licht wurde nun von interstellarem Staub reflektiert. Später wurden ähnlich helle Phasen auch auf alten Aufnahmen entdeckt, aber der transiente Nebel behielt seinen Namen — und nun ist er, wie Berichte seit September und jetzt auch ein detailreiches Foto von der Münchner Volkssternwarte zeigen, wieder annähernd so hell wie 2004. Daniel Fischer

Zusammenfassung der Ereignisse: cosmos4u.blogspot.com/2008/10/mcneils-nebula-shining-in-old-glory.html

Schon wieder ein Aufruf zum globalen Sternezählen

Um das Bewusstsein der Welt für Lichtverschmutzung zu schärfen, rufen inzwischen mehrere Aktionen regelmäßig dazu auf, in einem bestimmten Zeitraum auf der ganzen Welt, in Städten wie auf dem Land, einfache Sternzählungen am Himmel durchzuführen, die dann zentral gesammelt und veröffentlicht werden. Jetzt ist es wieder so weit, und diesmal unterstützt sogar die National Science Foundation der USA den Aufruf zum »Great World Wide Star Count« vom 30.10. bis 3.11. Im International Year of Astronomy 2009 soll diese Aktion noch weiter vorangetrieben werden. Daniel Fischer

NSF Pressemitteilung: www.nsf.gov/news/news_summ.jsp?cntn_id=112446&org=NSF&from=news
Meldungen aus der Forschung

Der erste Fall einer vorausgesagten Feuerkugel!

Ein Novum in der Astronomiegeschichte: Ein winziger Asteroid, der in der Erdatmosphäre (harmlos) als Bolide verglühen würde, ist Stunden vorher entdeckt und sein Ende mit hoher Präzision vorausgesagt worden! Rund 20 Stunden vor seinem Ende war 2008 TC3 am Mt. Lemmon Observatory in Arizona bei Routinebeobachtungen zur Entdeckung von erdnahen Asteroiden als 19m helles Pünktchen aufgefunden worden, noch in ca. 1,3-facher Mondentfernung. Als weitere Beobachtungen von amerikanischen und australischen Observatorien dazukamen, war es dann am Nachmittag des 6. Oktober praktisch sicher, dass dieses Objekt die Erde treffen würde. Hier schlug nun die Stunde der europäischen Beobachter, die den Staffelstab übernommen hatten. Durch ihre Beobachtungen konnte sowohl der Zeitpunkt als auch der Ort des Atmosphäreneintritts von 2008 TC3 konkretisiert werden: 7. Oktober gegen 4:46 MESZ über dem nördlichen Teil des Sudan bei 33,3°O und 20,3°N. Verständlich deshalb die Aufregung bei den Kleinplanetenbeobachtern weltweit, die innerhalb weniger Stunden über 500 Positionsmessungen beisteuerten; 24 Mal wurde die Bahn verbessert. Zum ersten Mal wurde dabei auch verfolgt, wie ein erdnaher Kleinplanet in den Erdschatten eintritt, und photometrische Serien zeigten einen schnellen, taumelnden Rotator, was für Asteroiden dieser 2-Meter-Klasse nicht ungewöhnlich ist.

Ein starkes Wärmesignal des vorausgesagten Boliden hat der europäische Wettersatellit Meteosat 8 um 4:45:47 MESZ aufgezeichnet — ein schierer Zufall, wird doch jeder Punkt der Erde nur einmal alle 5 Minuten abgetastet. [Eumetsat]

Trotz des entlegenen Ortes des Atmosphäreneintritts kamen zahlreiche Beobachtungen des Boliden mit zum Teil exotischen Techniken zusammen: Ein (namentlich nicht genannter) US-Militärsatellit registrierte die Explosion um 4:46:40 MESZ in 37km Höhe, der Wettersatellit Meteosat 8 sah sie in allen Spektralbändern, für eine Webcam in Ägypten erhellte sich kurz die Landschaft, die (gerade noch rechtzeitig alarmierte) Besatzung eines weit entfernten Verkehrsflugzeugs sah den Blitz am Horizont, und ein Infraschall-Sensor in Kenia registrierte die Druckwelle der Explosion viele Minuten später. Aus den Satelliten- wie Infraschalldaten ergibt sich die erwartete Explosionsenergie, die einer Kilotonne TNT entspricht. Mit dem Fall von ein paar Meteoriten konnte zwar gerechnet werden, aber die politischen Verhältnisse im nördlichen Sudan machen eine Suche von ausländischen Expeditionen nahezu aussichtslos. Stattdessen hat der Fall 2008 TC3 manche Fragen aufgeworfen: Was wäre gewesen, wenn der Körper größer und Folgen am Boden wahrscheinlich gewesen wären? Wie wäre die Bevölkerung in der — von Anfang an ziemlich präzise bekannten — Impaktzone informiert worden? Nach Auskunft des Asteroidenspezialisten Paul Chodas vom JPL wird bereits an Software gearbeitet, die die sich entwickelnde Bedrohungslage live für jedermann erkennbar machen wird. Und werden künftige Suchprogramme wie PanSTARRs und LSST eine längere Vorwarnzeit von unbekannten Miniasteroiden im Anflug bringen? Eher nicht, sagt Chodas: Zwar haben sie eine viel bessere Grenzgröße als die heutigen Systeme, beobachten dasselbe Himmelsfeld aber nur alle paar Tage.

André Knöfel und Daniel Fischer

Meteosat-Bilder des Boliden: www.eumetsat.int/Home/Main/Media/Features/707785?l=en
JPL-Meldung zu der Satellitenbeobachtung: neo.jpl.nasa.gov/news/news160.html
Screenshots der ägyptischen Webcam: home.pages.at/thie/asteroid_2008_tc3/

1 Jupiter-Durchmesser, 22 Jupitermassen: ein »Superplanet«?

Ein Himmelskörper mit erheblich mehr als 13 Jupitermassen — und damit zumindestens moderater Kernfusion durch Deuteriumbrennen — ist nach den meisten Definitionen ein Brauner Zwerg, egal wo er sich gerade aufhält. Aber die Entdecker des Objekts CoRoT-Exo-3b, gefunden letztes Jahr mit dem Fotometriesatelliten CoRoT und seither auch von zahlreichen Teleskopen auf der Erde beobachtet, sprechen lieber von einem »Superplaneten«: Der substellare Körper hat nämlich eine Umlaufsperiode von nur 4,3 Tagen und ist vermutlich wie ein Planet in einer zirkumstellaren Scheibe um seine Sonne, einen F3-Stern, entstanden. Und nicht weitgehend unabhängig aus derselben Molekülwolke wie der Stern, wie man es bei Braunen Zwergen annimmt. Theoretische Modelle erlauben die Bildung von Objekten bis zu 25 Jupitermassen aus Sternscheiben, und in anderern kommen bei Kollisionen großer Planeten miteinander solcherlei Superplaneten heraus.

Die Entdeckungslichtkurve von CoRoT-Exo-3b: Sein Durchgang vor dem F-Stern ist als typische trogförmige Einsenkung in der Mitte erkennbar. Insgesamt 34 solcher Transits hat der Satellit gemessen. [Landessternwarte]

Im Masse/Radius-Diagramm aller Exoplaneten und massearmen Sterne, die vor ihren (Haupt-)Sternen herziehen und deren physikalische Parameter dadurch sehr gut bestimmt werden können, fällt CoRoT-Exo-3B jedenfalls markant aus dem Rahmen: Sein Durchmesser liegt im üblichen Bereich (sowohl schwere Planeten wie leichte Sterne haben oft etwa einen Jupiterdurchmesser) — aber massenmässig sitzt der CoRoT-Fund mitten in einem bisher nahezu leeren Bereich zwischen 10 und knapp 100 Jupitermassen, der schon lange als »Braun-Zwerg-Wüste« bekannt ist. Die Entdecker sind sich selbst nicht sicher, ob sie ihren exotischen Fund (der mit 26±6g/cm3 die doppelte Dichte von Blei hat!) als »Mitglied einer neuen Population sehr massereicher Planeten oder ‚Superplaneten‘« ansprechen sollen oder als »Vertreter des massearmen Teils der Familie der Braunen Zwerge«. So oder so wirft er eine Menge Fragen auf, über die Massen- und Bahnverteilung der Braunen Zwerge ebenso wie eine klare Definition von Planeten anderer Sterne — an die sich selbst die zuständige Internationale Astronomische Union bislang nicht herangetraut hat

Daniel Fischer

Detaillierte Forschungsarbeit: arxiv.org/abs/0809.2781
Pressemitteilung der Thüringischen Landessternwarte: corot.tls-tautenburg.de/Exo-3b/
Die Wüste der Braunen Zwerge: www.scienceblogs.de/planeten/2008/10/corotexo3b-der-braune-zwerg-in-der-wuste.php

Messier 86 in schweren »Galaxienunfall« verwickelt

Eine tiefe Aufnahme zeigt die 400000 Lichtjahre langen Filamente, die die Galaxien M 86 (rechts) und NGC 4438 verbinden: Hier strahlt Wasserstoff im H-Alpha-Licht in einer ähnlichen Geschwindigkeit wie die beiden Galaxien. Die (in dieser speziellen Falschfarbdarstellung) grüne Wolke rechts unten bei NGC 4388 ist Wasserstoff mit einer anderen Geschwindigkeit: Diese Galaxie hat mit dem anderen Geschehen nichts zu tun. [Tomer Tal and Jeffrey Kenney/Yale University and NOAO/AURA/NSF]

Zwischen der bekannten elliptischen Galaxie Messier 86 im Zentrum des Virgo-Haufens und der benachbarten gestörten Spiralgalaxie NGC 4438 spannt sich ein 400000 Lichtjahre messendes Netz aus Filamenten leuchtenden Wasserstoffs: gewaltige Spuren einer bislang übersehenen Hochgeschwindigkeitskollision der beiden Galaxien, die erst auf einem großformatigen Bild des 4m-Mayall-Teleskops auf dem Kitt Peak aufgefallen sind. Dieses System stellt den mit rund 50 Mio. Lichtjahren nächstgelegenen (und damit auch jüngsten) Zusammenstoß zwischen einer großen elliptischen und einer großen Spiralgalaxie dar. Offenbar gestörtes Wasserstoffgas war schon länger in der Umgebung der beiden Galaxien bekannt gewesen, aber erst jetzt ist klar, dass die Filamente die beiden Sternsysteme verbinden; selbst enthalten sie aber keinerlei Sterne.

Heißes Gas innerhalb von M 86 war ebenfalls schon länger bekannt, und man hatte vermutet, dass dies wohl eine Folge des Staudrucks bei der Wanderung der Galaxie in das Haufenzentrum sei — nun dürfte klar sein, dass die Kollision mit NGC 4438 zum größten Teil für die Aufheizung des Gases verantwortlich war. Aus heißem Gas bilden sich aber schlechter Sterne als aus kühlem: Kollisionen der beobachteten Art bieten sich damit als Erklärung für die Unterdrückung der Sternbildung in gerade den größten Galaxien an. Wenn sich Galaxien mit geringer Geschwindigkeit begegnen, wird die Sternentstehung eher angeregt: Gas wird konzentriert und in die Nähe der kritischen Dichte getrieben. Aber bei Kollisionen mit hoher Geschwindigkeit — wie sie zwischen großen Galaxien geschehen, die sich gegenseitig stärker anziehen — wird das Gas so heiß, dass die Sternentstehung effizient unterdrückt wird.

Daniel Fischer

Yale Pressemitteilung: opa.yale.edu/news/article.aspx?id=6105

Erneut verschollener Komet nach über 100 Jahren wiedergefunden

Im September hatten zwei japanische Amateurastronomen durch Zufall den seit 111 Jahren vermissten Kometen Giacobini wiedergefunden, jetzt stieß der Profiastronom Andrea Boattini auf den Kometen Barnard 3, der zuletzt 1892 gesehen worden war und damit sogar 116 Jahre vermisst wurde. Damals war es — mit 12. Größe — die erste fotografische Kometenentdeckung überhaupt gewesen, heute hat der Komet (der jetzt Barnard-Boattini heißt, weil die Identität erst nach einer Weile erkannt wurde) nur 17m. Vielleicht erlebte er 1892 einen Ausbruch und war nur deswegen — und auch nur dann — mit früherer Technik zu sehen? Daniel Fischer

Details der Entdeckung: transientsky.wordpress.com/2008/10/09/re-discovery-of-long-lost-comet-barnard-3

Die Zwergplanetensuche des Mike Brown ist zuende

Er hat drei Zwergplaneten im Kuiper-Gürtel entdeckt (und dabei den Pluto gleich mit zu einem solchen gemacht) und den Exoten Sedna noch weiter draußen — aber nach 11 Jahren emsiger und systematischer Durchforstung des äußeren Sonnensystems wendet sich der US-Astronom Michael Brown nun anderen Aufgaben zu. Nicht dass er garantieren könnte, alle ganz großen Brocken gefunden zu haben: Brown gibt anderen Arbeitsgruppen Hoffnung, denn er schätzt die Effizienz seiner gesammelten Durchmusterungen trotz immer weiter verbesserter Technik nur auf 70 Prozent. Daniel Fischer

Browns Fazit: www.mikebrownsplanets.com/2008/09/end.html

Die schärfsten Jupiter-Bilder vom Erdboden: mit dem VLT, oder ?

Sie entstanden im Nahen Infraroten, wo der Planet ziemlich anders aussieht als im sichtbaren Licht, und so fällt der direkte Vergleich schwer: Liefert das Very Large Telescope der ESO mit Adaptiver Optik schärfere Bilder der Jupiterwolken als sie moderate Amateurteleskope unter besten Bedingungen und beim optimalen Einsatz videoastronomischer Techniken erzielen können? Die Analyse sei dem Betrachter überlassen Daniel Fischer

Berkeley Pressemitteilung mit den VLT-Bildern: www.berkeley.edu/news/media/releases/2008/10/02_mcao.shtml
Aufnahmen von Christopher Go: astro.christone.net/jupiter
Aufnahmen von Damian Peach: www.damianpeach.com/jup_07.htm
Nachrichten aus der Astro-Szene
Terminkalender vom 17.10.2008 — 31.10.2008
24.10.—25.10. Space Forum — Space Days 2008: »Leben im Universum«, 24.10.: Kantonsschule Enge; 25.10.: Hotel Uto—Kulm auf dem Uetliberg, Steinentischstrasse 10, 8002 Zürich Schweizerische Raumfahrt-Vereingung, udaquino@planetarium-zuerich.ch www.srv-ch.org
25.10.—26.10. Astromarkt und Regionaltagung in der Littlehamptonhalle in Durmersheim Sternfreunde Durmersheim und Umgebung e.V., Jürgen Linder, 07245/937594, cometmillenium@yahoo.de

Norddeutsches Astrofotografentreffen (NAFT) in Hildesheim

Binnen weniger Monate fand am 11. Oktober 2008 das zweite Treffen norddeutscher Astrofotografen statt, dieses Mal im beschaulichen Hildesheim im südlichen Niedersachsen. Zur Herbstveranstaltung hatte die Arbeitsgemeinschaft Hildesheimer Amateurastronomen eingeladen und etwa 25 Sternfreundinnen und Sternfreunde trafen ab mittags im Gymnasium Josephinum ein, begutachteten die Auslagen einiger privater Anbieter, stärkten sich in der Cafeteria und besichtigten die erst kürzlich weitgehend fertig gestellte Sternwarte auf dem Dach des Gebäudes.

Besichtigung der neuen Sternwarte auf dem Gymnasium Josephinum in Hildesheim

Diese war denn auch Thema des ersten Vortrages: Arndt Latusseck stellte die Entstehungsgeschichte der Sternwarte der Hildesheimer Sternfreunde vor. Eine 3m x 3m große Schiebedachhütte entstand hier in Eigenarbeit und wurde erst einen Monat vor dem NAFT im Wesentlichen fertig gestellt. Sie beherbergt eine New Atlux-Montierung, auf dem sich ein C8 und ein 80/910-Refraktor befinden und von den Vereinsmitgliedern wegen der Farbgebung liebevoll »Ernie und Bert« genannt werden. Im zweiten Vortrag berichteten Dirk Lucius und Harald Simon über eine 14/tägige Expedition einer Reisegruppe zur Rooisand Desert Ranch/Rooisand Observatory nach Namibia und vermittelten einen schönen Eindruck von den landschaftlichen Reizen und zeigten viele Aufnahmen prominenter Deep-Sky-Objekte des Südhimmels, die ausschließlich mit digitalen Spiegelreflexkameras aufgenommen wurden. Nachdem Frank Wierny beim letzten NAFT von seinen Problemen mit der ST4000XCM-CCD-Kamera von SBIG berichtet hatte, konnte er nun mehr Hintergründe offenbaren und einige Astrofotos präsentieren, die mit dieser Kamera, aber auch mit der ALccd 5 von astrolumina im doch recht feuchten ostfriesischen Klima unter nicht immer optimalen Bedingungen entstanden waren. Nach der großen Pause führte der Autor einige Bildergebnisse der Sonnenfinsternis vom 1.8.2008, der Mondfinsternis vom 16.8.2008, der engen Begegnung von Mond und Merkur vom 6.5.2008 sowie von diversen Halosichtungen vor, bevor Hartwig Lüthen sein digitales Bildarchiv aufmachte und von der spannenden Reise nach Nowosibirsk, über Land und Leute sowie der dort totalen Verfinsterung der Sonne, berichtete.

Im Anschluss an eine weitere kleine Pause stellte Bruno Mattern seine Sternwarte in der Lüneburger Heide vor und präsentierte Aufnahmen, die mit modifizierten und unmodifizierten Canon DSLRs entstanden sind. Dabei zeigte sich, dass auch unter den oft widrigen Bedingungen im Norden, gepaart mit entsprechender Technik und dem dazu gehörigen Können Galaxien-Aufnahmen von hoher Qualität möglich sind. Michael Mushardt beendete den Vortragsteil mit einem Bericht über seine Reise zur Sonnenfinsternis nach China, die er zusammen mit seiner Tochter unternommen hat. Stationen wie Hongkong, Peking (mit Besichtung der historischen Sternwarte) und Shanghai führten schließlich zum Sonnenfinsternis-Camp in der Mongolei. Ein kleines Filmchen aus einzelnen Fisheye-Aufnahmen, die während des kompletten Verlaufs der Finsternis aufgenommen wurde, bildete den absoluten Höhepunkt des Vortrages, der gegen 18:30 das erste rein digitale NAFT beendete. Auch dieses NAFT war wieder ein gut gelungener Querschnitt sowohl durch die verschiedenen Aktivitätsgebiete norddeutscher Astrofotografen, als auch deren oft sehr hohe Qualität. Neben und während der Vorträge gab es viele Diskussionen, etwa zum Stacking von Bildern, verwendeten Programmen oder den Bildern selbst. Das Frühjahrs-NAFT wird voraussichtlich in Fintel oder Scheeßel stattfinden.

Manfred Holl

Norddeutsche Astrofotografentreffen: www.naft.de
Volkssternwarte Hildesheim: www.vhs-hildesheim.de/gelber_turm/index.html

APM 100mm ED-Halbapo-Fernglas

Die Firma APM-Telescopes stellt ein neues Großfernglas mit ED-Halbapo-Objektiven von 100mm Öffnung vor. Nach Auskunft von APM entspricht die Farbkorrektur modernen zweilinsigen ED-APO-Objektiven mit extrem hohem Kontrast. Das sphärisch hervorragend korrigierte Fernglas soll im Feldtest sogar Vergrößerungen bis 100-fach ohne Qualitätseinbußen ermöglichen. Die vollvergüteten Objektive weisen eine Brennweite von 500mm auf. In der Grundausstattung sind zwei Paare 70°-Weitwinkelokulare (5-linsiger Aufbau, MC-Vergütung) enthalten, die Vergrößerungen von 25-fach und 50-fach bei 2,9° bzw. 1,47° Gesichtsfeld ermöglichen. Die Austrittspupille beträgt bei den genannten Vergrößerungen 4mm bzw. 2mm. Als Augenabstand werden 10mm bzw. 16mm angegeben.

Die Okulare werden einzeln durch einen 1,25"-Helikal-Okularauszug fokussiert, so dass auch andere Okulare mit 1,25" Steckdurchmesser benutzt werden können. Laut Angaben des Herstellers erreichen handelsübliche Standardokulare problemlos den Fokus. Die im Lieferumfang enthaltenen Okulare sind mit gängigen Gewinden zur Aufnahme von Einschraubfiltern ausgerüstet. Das 510mm × 230mm × 133mm große und 7200g schwere Fernglas enthält neben verschiebbaren Alutaukappen mit vorderen Abschlussdeckeln auch einen abnehmbaren Handtragegriff sowie einen Photostativadapter mit 1/4"-Gewindeanschluß. Im Lieferumfang ist weiterhin ein abschließbarer Alutransportkoffer mit Formeinlagen enthalten. Als Preis werden 1095€ genannt. In der Serienproduktion wird das Fernglas in der Farbe Schwarz ausgeliefert, entgegen der Fotodarstellung in der Farbe Silber.

Frank Gasparini

TV-Hinweise (von Manfred Holl)
17.10. 22:15, ZDF doku Das Rätsel von Tunguska (45 min.)
23:30, ZDF doku Einsteins Erben und das Monster aus dem All (45 min.)
20.10. 11:45, BR-alpha Meilensteine der Naturwissenschaft und Technik: Das Focault´sche Pendel (15 min.)
12:30, RBB total phänomenal: Treibhaus Erde (15 min.)
15:00, WDR 3 Planet Wissen: Traumberuf Astronaut (60 min.), Wdh.: SWR 3: 15:00, BR-alpha: 15:00, 21:45, Eins Plus: 23:00, 21.10.: Eins Plus: 3:00, SWR 3: 5:00, WDR 3: 8:20,BR 3: 12:30, RBB: 14:30, 22.10.: Eins Plus: 7:00
21.10. 3:50, Phoenix Wettlauf zur Venus (45 min.)
15:00, WDR 3 Planet Wissen: Leben im Weltall — Von der Raumstation zur Marsmission (60 min.), Wdh.: SWR 3: 15:00, BR-alpha: 15:00, 21:45, Eins Plus: 23:00, 22.10.: Eins Plus: 3:00, SWR 3: 5:00, WDR 3: 8:20, BR 3: 12:30, RBB: 14:30, 23.10.: Eins Plus: 7:00, 26.10.: Eins Plus 8:00
22.10. 15:00, WDR 3 Planet Wissen: Die Atmosphäre der Erde (60 min.), Wdh.: SWR 3: 15:00, BR-alpha: 15:00, 21:45, Eins Plus: 23:00, 23.10.: Eins Plus: 3:00, SWR 3: 5:00, WDR 3: 8:20, BR 3: 12:30, RBB: 14:30, 24.10.: Eins Plus: 7:00, 26.10.: Eins Plus 9:00
22:45, BR-alpha Alpha Centauri: Warum fliegt nicht alles weg? (15 min.), Wdh.: 23.10.: 1:45, 8:15, 26.10.: 20:00
23.10. 15:00, WDR 3 Planet Wissen: Als Deutschland am Äquator lag (60 min.), Wdh.: SWR 3: 15:00, BR-alpha: 15:00, 21:45, Eins Plus: 23:00, 24.10.: Eins Plus: 3:00, SWR 3: 5:00, WDR 3: 8:20, BR 3: 12:30, RBB: 14:30, 24.10.: Eins Plus: 7:00, 26.10.: Eins Plus 10:00
20:15, Phoenix Armageddon — Der Einschlag (1) (45 min.), Wdh.: 24.10.: 18:30
21:00, Phoenix Armageddon — Der Einschlag (2) (45 min.), Wdh.: 24.10.: 19:15
27.10. 21:30, 3 Sat hitec: Jupiters geheimnisvoller Eismond (30 min.), Wdh.: 28.10.: 2:25
29.10. 22:45, BR-alpha Alpha Centauri: Was sind solare Flares? (15 min.), Wdh.: 30.10.: 1:45, 8:15, 2.11.: 20:00
Mitteilungen der Redaktion

Themenheft Teleskope erschienen!

530 Teleskope, 84 Okularreihen, 64 Montierungen, 42 Neuheiten: Das sind die Eckdaten des ersten Teleskope-Hefts der interstellarum-Redaktion. Noch nie hat es in deutscher Sprache — weder gedruckt noch im Internet — eine derart ausführliche und gleichzeitig übersichtliche Zusammenstellung zum aktuellen Fernrohr-Markt gegeben. Dazu kommen drei Produktvergleiche in bekannter interstellarum-Qualität zu Einsteiger-Teleskopen, Reise-Dobsons und Astrotaschenlampen. Teleskop-Neulinge finden an verschiedenen Stellen im Heft Kästen mit Basiswissen zu Teleskop-Leistung, Teleskop-Typen, Montierungen) und sinnvollem Zubehör.

Im Heft enthalten ist außerdem die Auswertung der interstellarum-Umfrage zur Zufriedenheit von Teleskop-Besitzern. Die Umfrage ist bei 900 Teilnehmern mit 2500 Teleskopen die weltweit größte jemals durchgeführte derartige Erhebung. Die Ergebnisse sind aufschlussreich: Sie künden vom Ende der Achromate und der fortsetzenden Hausse der Apochromate. Newton-Teleskope bleiben populär, während die jahrzehntelang favorisierten Schmidt-Cassegrain-Teleskope schwächeln. Bei den Marken gibt es Überraschungen — lesen Sie die ausführliche Auswertung im Heft.

interstellarum Thema Teleskope gibt es ab 17.10.2008 am Kiosk oder unter www.interstellarum.de/onlineshop.asp

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