zusammengestellt von Daniel Fischer
Ausgabe 45
30.9.2007

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7. Oktober kurz nach Sonnenaufgang Regulusbedeckung durch den Mond, auch streifend zu beobachten: die Situation im Detail für Bonn, die Nordgrenze und das Mondrandprofil (Grafiken: A. Gabel)
28. Oktober morgens Plejadenbedeckung durch den fast vollen Mond, Grafik in Das Astronomische Jahr 2007 KW 43
28./29. November, Mitternacht Der abnehmende Mond bedeckt Messier 44, Grafik in Das Astronomische Jahr 2007 KW 48
Aktuell am Himmel

Infrarot-Strukturen auf der dunklen Seite der Venus hat B. Gährken mit einem 80-cm-Spiegel eindeutig nachweisen können. Für kleinere Teleskope ist so etwas sehr schwierig. • Auch in unterer Konjunktion war der Planet zu beobachten (dito, dito), der dieser Tage als immer breitere Sichel seinen größten Glanz am Morgenhimmel erlebt.

Der Mars wächst allmählich am irdischen Himmel: Bilder vom 25., 24., 14.-17. und 13. 9. und 30. und 19.8. Zwar ist die Atmosphäre immer noch voller Staub, aber beide Mars Exploration Rover haben die Finsternis gut überstanden: Seit Anfang August lichtet sich der Himmel über den Rovern weiter, auch wenn es bis zum völligen Aufklaren noch Monate dauern kann.

Lange Mondfinsternis über Australien und Amerika – und dem Südpol

Die Totalität dauerte am 28. August fast 1½ Stunden, und das Farbenspiel in der Umbra war besonders ausgeprägt: Bilder und Berichte aus Kalifornien, Utah, Ohio, British Columbia, Australien und vom Südpol (die Umstände). Während der Totalität wurde auch auf Impakte geachtet, ein Forschungsfeld auch für Amateure.

Eine partielle Sonnenfinsternis zwei Wochen später fand ebenfalls Interesse, wobei die Beobachtung mitunter ganz schön mühsam werden konnte.

»Gigantic Jets« sind kürzlich über Oklahoma abgelichtet worden – ein weiteres Leuchtphänomen der Hochatmosphäre, das nun Amateuren ins Netz gegangen ist. • Die ISS am 15. August.

SOHO-Komet von 1999 & 2003 kam planmäßig wieder: 1999 R1 ist pünktlich am 11. September wieder aufgetaucht und mithin sowohl mit 2003 R5 wie nun 2007 R5 identisch (IAUCs # 8871+2 vom 18.9.2007). Womit es einen SOHO-Kometen weniger aber einen periodischen mehr – SOHOs ersten! – gibt, der zur Kometengruppe "Kracht II" gehört. Und der Bonner Doktorand, der den Zusammenhang zuerst erkannte, wird bereits mit Halley verglichen ... • Rosettas Zielkomet wird bereits ausgiebig von der Erde aus beobachtet.

Amateur-Venusbeobachter punkten auf Profitagung! Sogar eine Pressemitteilung waren die jüngsten Erfolge den Organisatoren der zweiten Euro-Planetenkonferenz wert, wo die Ergebnisse als Poster und auf Flyern präsentiert wurden. Und auch die Amateurauswerter von Raumsondendaten wurden auf der Tagung vorgestellt. • Detail auf Ganymed mit 23 cm Öffnung ist möglich!

Ringkantenstellung des Uranus ausgiebig beobachtet

Bei der ersten der drei Kantenstellungen stand der Uranus für alle Großteleskope wie auch Hubble noch zu sonnennah, aber bereits am 28. Mai gelangen mit Keck II sehr scharfe Bilder der nunmehr unbeleuchteten Ringe (links), aus denen man auf erhebliche Veränderungen seit 1986, als Voyager 2 vorbei kam, schließen kann. Und das Ringsystem hat sich in den zwei Jahrzehnten auch auf viel größerer Skala umgebaut, als man es bei irgendeinem anderen gesehen hat (de Pater et al., Science 317 [28.9.2007] 1888-90): Viele Voyager-bekannte Ringe waren kaum wieder zu finden! Bei der zweiten Kantenstellung am 16. August waren dann Teleskope auf der Erde – trotz mancher Probleme – wie auch Hubble (rechts) bereit, als die Ringe rund um den Termin fast ganz verschwanden und nur ihr Staubabteil sichtbar blieb.

Die ersten Amateurbeobachtungen gegenseitiger Ereignisse der Uranusmonde liegen inzwischen vor: Entgegen anderslautender Abschätzungen lässt sich mitunter bereits mit 8 bis 10 Zoll Öffnung sinnvoll beobachten!

Der Südpol Neptuns ist 10°C wärmer als der Rest des Planeten, zeigen Messungen mit dem VLT: Ursache ist offenbar die intensive Sonneneinstrahlung, die auch für die enormen Windgeschwindigkeiten verantwortlich sein dürfte.

Eine weitere (absolut) superhelle Supernova ist die SN 2007if, die heller als - 20M wurde und spektral zum Typ Ia gehört (CBET # 1059 vom 11.9.2007), wegen ihrer großen Entfernung aber nicht heller als 17m wurde. • Die absolut hellste bekannte Supernova könnte SN 2005ap sein, die es auf -22,7M brachte. • Eine Supernova 12. Größe war SN 2007gi. Und eine weitere SN 13. Größe, die von Robert Evans in Australien visuell entdeckte SN 2007it (CBET # 1065 vom 13.11.2007), ist mit -43° Deklination leider kaum zu sehen • Lichtkurven von R CrB, Nova Vul, V5558 Sgr etc.

Hell, fast pünktlich, nicht sehr viele: Die Aurigiden kamen wirklich

Viele waren es wirklich nicht, aber sie waren allesamt hell, sie waren relativ pünktlich – und vor allem: Sie kamen überhaupt. Zum ersten Mal erwarteten Meteorforscher und -freunde am Morgen des 1. September einen Schauer von Staubteilchen in der Erdatmosphäre, die vor Jahrtausenden ein namentlich bekannter langperiodischer Komet ausgestoßen hatte, und die Aurigiden kamen. Der Ausbruch dauerte nur etwa eine Stunde, und ein einzelner Beobachter am Boden konnte unter optimalen Bedingungen in der gesamten Nacht 30 bis 40 Meteore sehen. Das wäre eigentlich kaum der Rede wert: Selbst bei den höchstens durchschnittlich starken Perseiden zwei Wochen vorher waren in der Maximumsnacht an dunklem Himmel von jedem Beobachter mehrere hundert Schnuppen auszumachen, der Großteil freilich lichtschwach. Die allesamt sehr hellen Aurigiden 2007 erreichten zwar eine vergleichbare Zenitstundenrate von etwa 100, aber der Ausbruch war wesentlich schärfer: Die volle Breite auf halber Stärke (FWHM) betrug nur etwa die vorausgesagte halbe Stunde.

Nicht ganz so gut war die Prognose der Maximumszeit gewesen: Der Peak trat bereits gegen 11:15 UTC ein (CBET # 1049 vom 3.9.2007), und zur vorausgesagten Maximumszeit, die nach den letzten Modellen um 11:33 UTC liegen sollte, kam es allenfalls zu einem sekundären Anstieg. Dem Erfolg der relativ kurzfristig ins Leben gerufenen systematischen Beobachtungskampagne des niederländisch-amerikanischen Meteorspezialisten Peter Jenniskens tat das keinen Abbruch: Im Mittelpunkt standen zwei Flugzeuge voller Kameras und Messinstrumente, die in 300 km Abstand voneinander westwärts über Nevada und Kalifornien flogen, unterstützt von vor allem zwei Beobachtergruppen auf zwei kalifornischen Bergen. Da das Interesse der öffentlichen Forschungsförderung an Meteoren nach den Leonidenstürmen nachgelassen hat, mußte sich Jenniskens die Flugzeuge auf ungewöhnlichem Wege besorgen: Es waren zwei der Privatjets der Gründer von Google! Im Rahmen eines Deals mit der NASA dürfen sie ihre beiden Gulfstream GV sowie eine Boeing 767-200 auf dem Flugfeld des Ames Research Center im kalifornischen Mountain View parken, sozusagen vor ihrer Haustür; im Gegenzug stellen sie die Maschinen zuweilen als Plattformen für wissenschaftliche Experimente zur Verfügung.

Testbeobachtungen während der diesjährigen Perseiden und die Aurigiden-Flüge stellten die erste bekannte Nutzung dieser Art dar, nachdem der Vertrag am 1. August in Kraft getreten war – damals blieben die »Spender« der Gulfstreams lieber anonym, aber Anfang September deckten lokale Flugzeugfans und Medien die Zusammenhänge auf, was weltweit für Aufsehen sorgte. Die umfangreichen Ergebnisse der Beobachtungen aus der Luft – höhere Meteorraten als am Boden, Spektren etc. – wie auch von den assoziierten Bodenteams neben den Sternwarten von Lick (Videobild oben) und Fremont Peak (unten) werden nun ausgewertet, und auch von anderen Standorten laufen Berichte ein. Weil die Aurigiden alle sehr hell waren, zwischen +2m und -3,5m, setzten sie sich bestens gegen das helle Mondlicht durch. Und ihre Ionisationsspuren in der Atmosphäre waren so ausgeprägt, dass Radioechos an ihnen z.B. auch in Europa problemlos nachzuweisen waren.

Magellansche Wolken zum ersten Mal in der Nähe: mehr Fragen als Antworten

Seit es mit dem Hubble Space Telescope gelungen ist, die Eigenbewegung der Magellanschen Wolken am Himmel direkt zu messen, ist das Verständnis unserer kosmischen Nachbarschaft eher geringer geworden: Es gilt jetzt als wahrscheinlich, dass sich die beiden kleinen Galaxien derzeit zum ersten Mal überhaupt der Milchstraße nähern. Und damit für mehrere Phänomene nicht verantwortlich sein können, die man ihnen hätte zuschreiben können, wenn sie die Milchstraße schon mehrmals umrundet hätten. Bereits neuere Modellrechnungen zur Masse und Gestalt der Milchstraße hatten zweifeln lassen, ob die Große Magellansche Wolke überhaupt gravitativ an die Milchstraße gebunden ist: Ihre Bahnperiode läge bei 10 Milliarden Jahren, und sie entfernte sich bis auf auf 300 bis 400 kpc (1 Mio. Lichtjahre). Vorher war man von einer Periode von 1,5 Mrd. Jahren und einem Apogalaktikon von 100 kpc ausgegangen.

Eine ungewöhnlich flache Zwerggalaxie ist der Herkules-Zwerg, der seine kuriose Zigarrenform Wechselwirkungen mit der Milchstraße verdanken dürfte. Diese Beobachtungen sind übrigens die ersten mit dem Large Binocular Telescope, die als referiertes Paper erscheinen werden.

Die Hubble-Messungen der hohen 3D-Geschwindigkeit der beiden Galaxien machen es nun praktisch zur Gewissheit, dass sie nicht an die Milchstraße gebunden und zum ersten Mal in ihre Nähe gekommen sind. Damit kann die Schwerkraft der LMC (die SMC hat nur 1/10 ihrer Masse) aber nicht für die gemessene Verkrümmung der Scheibe der Milchstraße verantwortlich sein. Und vor allem ist wieder völlig offen, wie der sogenannte Magellansche Strom zustande gekommen ist, ein langes Band aus Wasserstoff, das sich 100° lang über den Himmel erstreckt und sowohl die Galaxien wie auch den südlichen galaktischen Pol einschliesst. Magellansche Wolken auf einer polaren Umlaufbahn um die Milchstraße wären ein naheliegender Verursacher gewesen: Gezeiteneffekte oder Reibung hätten ihnen das Gas entrissen haben können – wenn sie schon mehrmals durch das Perigalaktikon gelaufen wären. Nun muss nach einer neuen Erklärung gesucht werden. Und auch die mehrfachen Schübe von Sternentstehung in den Galaxien können nicht auf frühere Begegnungen mit der Milchstraße zurückgehen.

Adaptive Optik plus Lucky Imaging: der Weg zu Hubble-scharfen Bildern?

Im nahen Infraroten liefert die Adaptive Optik, bei der ein Spiegel im Strahlengang rasant deformiert wird, um die Luftunruhe auszugleichen, im Idealfall so scharfe Bilder, als ob das Teleskop im Weltraum wäre – im sichtbaren Licht gelingt dies bisher nicht, weil hier das Seeing weit schlimmer zuschlägt und entsprechende Gegenmassnahmen noch jenseits aller technischen Möglichkeiten liegen. Britische Astronomen glauben sich nun doch auf einem Weg, um mit Teleskopen auf der Erde im Sichtbaren Bilder mit der Qualität eines Weltraumteleskops erzielen zu können: indem sie das von ihnen schon länger eingesetzte »Lucky Imaging« alias Videoastronomie mit Adaptiver Optik kombinieren. In ihrer Pressemitteilung tragen sich mächtig dick auf und zeigen auch kein gutes Händchen bei der Bildauswahl, aber das tut dem eigentlichen Erfolg keinen Abbruch. Denn mit dem 5-m-Spiegel des Palomar Observatory und seiner eher primitiven Adaptiven Optik PALMAO sowie ihrer eigenen Hochgeschwindigkeitskamera ist es ihnen gelungen, im I-Band bei 850 nm – was gerade noch als sichtbares Licht gilt – 50 bis 60 Millibogensekunden Auflösung zu erreichen.

PALMAO allein schafft dagegen nur 100 bis 200 Millibogensekunden. Wie gehabt, werden unzählige kurzbelichtete Aufnahmen gewonnen, 20-mal pro Sekunde, und nur diejenigen aufaddiert, bei denen die Wellenfront am glattesten war. Diese Demonstration vom Juli rechtfertigt durchaus die kühne Behauptung, man habe Hubble übertroffen, und das zu einem winzigen Bruchteil der Kosten: Palomar beugungsbegrenzt ist mit seinen 5 Metern in der Tat doppelt so scharf wie Hubble mit seinen 2,5 Metern (Bildpaar aus M 13). Das Ziel der Briten ist nun die Übertragung des AO+Video-Prinzips auf moderne Großteleskope durch trickreiche Aufteilung der Objektivöffnung in mehrere Felder, die separat korrigiert werden. Dadurch soll sich das Hauptproblem des Lucky Imaging bei großen Teleskopdurchmessern umgehen lassen, dass die Wellenfront vor der Gesamtöffnung praktisch nie gut genug ist.

Die Erdtemperatur schwankt mit der Sonnenaktivität

Keine Hinweise auf Schwankungen des Sonnendurchmessers

in den letzten Jahrzehnten oder auch Jahrhunderten sieht man bei der International Occulatation Timing Association nach der – ausgesprochen mühsamen – Auswertung zahlreicher Sonnenvermessungen bei Finsternissen.

Alfvén-Wellen in der Sonnenkorona scheint ein Koronograph in New Mexico erstmals nachgewiesen zu haben – nicht leicht angesichts der geringen messbaren Effekte. Zur Erklärung der hohen Korona-Temperatur reichen die nun gemessenen Alfvén-Wellen zwar bei weitem nicht, aber verwandte Wellenphänomene rücken nun unter den Kandidaten nach vorn.

Um 0,2°C schwankt die Oberflächentemperatur der Erde im Einklang mit den leichten Variationen der Leuchtkraft der Sonne im Rahmen ihres Aktivitätszyklus: Dieser subtile Effekt konnte nun nach langer vergeblicher Suche mit einer trickreichen Analyse nachgewiesen werden. Während die Gesamtstrahlung der Sonne erst seit 1978 zuverlässig von Satelliten gemessen wird, gibt es gute Temperaturdaten bis 1959 zurück, als ein modernes Messnetzwerk entstand. Bereits das globale Mittel zeigt eine gewisse Korrelation mit der Sonnenaktivität, aber erst als Camp & Tung den Datensatz passend zerlegten, wurde der Zusammenhang deutlich: »Mit über 95%iger Sicherheit« steckt der Sonnenzyklus hinter dem Temperatur-»Forcing«. Die Größe des Effekts bestätigt dabei die etablierten Klimamodelle (New Scientist vom 11.8.2007 S. 14), bis hin zu regionalen Effekten: So beträgt die solare Temperaturamplitude in Europa 0,3 K, in den Polarregionen mit ihrem Eis-Albedo-Feedback dagegen 0,7 K. Und der Temperatureffekt der Einstrahlung, bislang Sache von Modellrechnungen, ist nun direkt gemessen: Damit lässt sich nun umgekehrt ausrechnen, dass eine Verdopplung der derzeitigen CO2-Konzentration der Atmosphäre zu einem Temperaturanstieg von 2,3 bis 4,1 K führen sollte. Während die Sonnenschwankungen selbst keine Relevanz für dieses allein hausgemachte Problem besitzen.

Das neue Jahrbuch ist da: Das astronomische Jahr 2008

Wie lange dauert es, alle relevanten Informationen für einen Beobachtungsabend zusammenzustellen?

Das Astronomische Jahr ist ein Jahrbuch der neuen Generation, das Astronomie-Interessierten hilft, sich in der Flut der heute vorhandenen Daten zurechtzufinden, indem es die wesentlichen Informationen herausfiltert und gleichzeitig praxisorientiert aufbereitet:

  • Alle Himmelsdaten einer Kalenderwoche sind übersichtlich auf zwei gegenüberliegenden Seiten dargestellt.
  • Blättern und zeitintensives Zusammensuchen von Informationen für einen Beobachtungsabend entfallen.
  • Wichtige Ereignisse sind thematisch gruppiert und auf einen Blick zu erkennen.
  • Alle Informationen sind in leicht verständlichen Grafiken umgesetzt.
  • Auf Wunsch können auch alle Daten ganz genau in der umfassenden Tabelle nachgeschlagen werden.
  • Die dort aufgelisteten Ephemeriden können Dank Farbcodierung besonders schnell erfasst werden.

Besonderer Wert wurde darauf gelegt, dem Beobachter alle notwendigen astronomischen Größen an die Hand zu geben, die für die eigene Beobachtung entscheidend sind. Mehr noch: Im Astronomischen Jahr sind erstmals bisher nur schwer verfügbare Daten zu finden, wie beispielsweise die grafische Darstellung der Uranus-, Neptun und Marsmonde. Darüber hinaus soll eine Auswahl ungewöhnlicher Himmelsereignisse neue Anregungen für eigene Beobachtungen geben, so wie es aus der Zeitschrift interstellarum bereits bekannt ist.

In der Ausgabe für 2008 wurden gegenüber dem Vorjahr verbessert:

  • größere Schrift, einfacher lesbare Tabellen
  • ausführliche Beschreibung eines Wochenereignisses in Wort und Bild
  • Jahresübersicht der wichtigsten Ereignisse
  • optimiert für die Lesbarkeit mit roten Taschenlampen

Friedrich, Susanne, Friedrich, Peter, Schurig, Stephan: Das Astronomische Jahr 2008 – Woche für Woche Daten und Grafiken zur eigenen Beobachtung der Gestirne. Oculum-Verlag, Erlangen, September 2008. 128 Seiten, 13 Karten, wasserabweisende Oberfläche, kartoniert 30cm×21cm, durchgehend farbig. ISBN 978-3-938469-19-4, 9,90 EUR + Porto/Versand

Inhaltsverzeichnis und Beispielkarten unter http://www.oculum.de/oculum/titel.asp?Nr=33

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Exoplanet mit neuer Methode nachgewiesen – bei einem Stern, der schon Helium verbrennt

Mehrere weitere Planetenentdeckungen des CoRoT-Satelliten

wurden im August auf einer Tagung bekannt gegeben, und die erste große Ernte sollte nicht mehr lange auf sich warten lassen!

Gut 250 Planeten anderer Sterne sind in den vergangenen 20 Jahren bereits nachgewiesen worden, aber der Begleiter von V391 Pegasi sticht gleich doppelt hervor: Dieser Stern befindet sich nämlich auf dem »extremen Horizontalast« des Hertzsprung-Russell-Diagramms und verbrennt bereits als B-Unterzwerg Helium statt Wasserstoff in seinem Kern. Dabei kommt es zu einem ziemlich stabilen Pulsieren seines Durchmessers und damit seiner Helligkeit, und dieser Effekt machte erst die Entdeckung seines Planeten – mit 3,2 Jupiters Minimalmasse – möglich (Silvotti et al., Nature 449 [13.9.2007] 189-91). Während dieser den Stern umkreist, bewegt sich letzterer in der Sichtlinie etwas vor und zurück, so dass die Extrema der Lichtkurve an der Erde etwas früher oder später gesehen werden: ein Effekt von ±5 Sekunden, der in einer siebenjährigen Messreihe klar hervortritt. Interessant ist aber auch der Planet selbst – und dass es ihn überhaupt gibt. Denn er hat 1,7 AU Abstand vom Stern – und als Roter Riese erreichte V391 Peg einen Radius von 0,7 AU! Das war knapp, aber der Planet überlebte, da er wohl nie nennenswerte Berührung mit der Hülle des Sterns hatte. Das zeigt, dass Welten selbst mit <2 AU Bahnradius die Expansion ihrer Sonnen überstehen können. V391 Peg b hatte, als der Stern noch auf der Hauptreihe stand, einen Abstand von etwa 1 AU, womit sich starke Parallelen zur Erde ergeben. Diese dürfte, wenn die Sonne so weit ist, einen Abstand von grob 1,5 AU erreichen: Dass auch sie durchkommt, erscheint nun etwas wahrscheinlicher als manchmal vermutet.

Auch das noch ...

»Sky in Google Earth« ist ein Online-Planetariumsprogramm auf der Basis des digitalen Globus' Google Earth, in das in vergleichbarer Weise immer neue astronomische Datensätze eingefügt werden können und sollen. Bereits jetzt haben z.B. das STScI, das Caltech und die ESA Beiträge zu dem Projekt geleistet, und zunehmend wird es sogar Daten in Quasi-Echtzeit geben, die in den live generierten Himmelskarten erscheinen.

Stardust@home tritt in die nächste Phase, nachdem 24 000 Freiwillige im Rahmen des Projekts 40 Millionen Mikroskop-»Filme« des Sondendetektors betrachtet und dabei rund 50 Kandidaten für interstellare Staubteilchen gefunden haben: Nun gibt es noch schärfere Filme (aus denselben Mikro-Scans), bevor die restlichen 60% des Aerogels gescannt werden können.

Mira hinterlässt eine ultraviolette »Schleifspur«

So ganz ist die Physik noch nicht einmal verstanden (Martin et al., Nature 448 [16.8.2007]), aber die Bilder des UV-Satelliten GALEX sind eindeutig: Der Sternwind des pulsierenden Sterns Mira bleibt im interstellaren Medium hängen und zeichnet die Bahn des Sterns durch den Raum in den letzten 30 000 Jahren 13 Lichtjahre lang leuchtend nach. Die ausschliesslich im fernen Ultravioletten emittierende Spur am Himmel ist 2° lang: Nun wird nach ähnlichen Hinterlassenschaften auch anderer Mira-Veränderlicher gefahndet. • Intensive Amateur-Beobachtungen von Mira sind derzeit übrigens gefragt.

US-Fernsehen feiert Amateurastronomen in aufwändiger Doku: »Seeing the Dark« des nicht-kommerziellen Netzwerks PBS stellt eine Handvoll besonders aktiver US-Amateure ebenso in den Mittelpunkt (wobei der fälschliche Eindruck entstehen konnte, Amateurastronomie sei immer furchtbar teuer) wie die generelle Erfahrung des Nachthimmels. Viele PBS-Astro-Dokus schaffen es auch auf deutsche Bildschirme – bis dahin kann schon mal das Skript begutachtet werden.

Ein »International Dark Sky Reserve« in Kanada ist rund um den Nationalpark von Mont Megantic und die dortige Sternwarte mit einem 1,6-m-Spiegel ausgerufen worden: Mit finanzieller Unterstützung von vielen Seiten wird rundum die Straßen- wie Außenbeleuchtung optimiert. • Ein Gesetz gegen Lichtverschmutzung ist in Slowenien erlassen worden. • Abermals sollen zwecks Bestimmung der Himmelsqualität – und Aufrüttlung der Öffentlichkeit – von Schülern Sterne gezählt werden, vom 1. bis 15. Oktober. • Und ein umfangreicher Artikel in Sachen Lichtverschmutzung ist in der US-Zeitschrift The New Yorker erschienen.

Die Entfernung des Orion-Nebels beträgt genau 414±7 pc oder 1350±25 Lichtjahre: Das haben Radioastronomen über die trigonometrische Parallaxe mehrerer Sterne in dem Nebel mit dem Very Long Baseline Array ermittelt. • Korrigierte Sternentfernungen von Hipparcos sind jetzt veröffentlicht worden: Die bisher vorliegenden astrometrischen Kataloge der Satellitenmission enthielten kleine Reduktionsfehler.

Herkunft des »Saurier-Killers« geklärt? Der 10-km-Asteroid, der vor 65 Mio. Jahren auf der Erde einschlug und – was mitunter auch wieder bezweifelt wird – ein gewaltiges Artensterben auslöste, war mit 90%iger Wahrscheinlichkeit ein Trümmerstück, das 100 Mio. Jahre früher bei einer Asteroidenkollision im Hauptgürtel entstand, aus der u.a. der Kleinplanet (298) Baptisma hervorging: Das schließen Bottke et al. (Nature 449 [6.9.2007] 48-53) aus allerlei Abschätzungen über Transportwege vom Gürtel zur Erde und der in den letzten 100 Mio. Jahren um einen Faktor 2 erhöhten Impaktrate.



Clear skies wünscht
Ihr Daniel Fischer
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