zusammengestellt von Daniel Fischer
Ausgabe 41
15.6.2007

Der Astronomie-Newsletter von Daniel Fischer ist ein neuer kostenloser Service von interstellarum, Ihrer Zeitschrift für praktische Astronomie.

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18. Juni, 16:12-17:33 MESZ Der Mond bedeckt die Venus am Taghimmel, aber 58° hoch im Süden – bei Regulus hat's auch geklappt (s. unten). Grafik in Das Astronomische Jahr 2007 KW 25
30. Juni, 15:49 MESZ Zweiter Vollmond des Monats (für Europa, nach dem 1. Juni): So etwas wird heute manchmal als Blue Moon bezeichnet, wobei die Bedeutung dieses Begriffs Wandlungen und Irrtümern unterlag
2. Juli Venus zieht am Saturn vorbei, Grafik in Das Astronomische Jahr 2007 KW 27
Aktuell am Himmel

Saturnbedeckung trotz Dämmerung bestens zu sehen

Die Saturnbedeckung durch den Mond am frühen Abend des 22. Mai ist vielerorts beobachtet worden: der Eintritt am dunklen Mondrand (dito, dito), vor allem aber der Austritt auf der hellen Seite (dito, dito, dito, dito, dito, dito).

Regulus-Bedeckung am Tage ebenfalls zu sehen! Je nach Transparenz und technischen Tricks war die Sternbedeckung mitten am 23. Mai – Taghimmelbeobachtungen nächtlicher Objekte sind dank CCD heute ein eigenes »Forschungsfeld« geworden –: leicht (und streifend!) oder schwer zu verfolgen; mancherorts gab es auch nur eine Annäherung von Mond und Stern. • Ein spektakuläres Video einer anderen streifenden Sternbedeckung mit zahlreichen Ein- und Austritten kommt aus Australien.

Auf dem Mars wird zunehmend Detail sichtbar, trotz nur 6" Durchmesser: das Archiv der ALPO Japans (Achtung: neue URL!!!) und ausgewählte Bilder vom 7. und 2. Juni und 30. und 26. Mai. • Der besonders helle Kleinplanet Vesta müsste noch bis Juli mit dem blossen Auge an dunklem Himmel sichtbar sein. • Der Vollmond in 3D, dank der Libration.

Jupiters verblasstes Südäquatorband kehrt schon wieder zurück!

Das scheinbare Verschwinden eines der beiden dunklen Streifen des Planeten ist Teil einer komplizierten Ereigniskette, die längst die nächsten Phasen erreicht hat: Das »Revival« des SEB hat überraschend früh eingesetzt, was Jupiterkenner an das Jahr 1949 erinnert. Wegen der südlichen Deklination des Planeten gelingen aus Mitteleuropa nur selten aufschlussreiche Beobachtungen, eher schon in Australien oder Namibia; die detailreichsten Aufnahmen im stets aktuellen Bildarchiv der JALPO (Achtung: neue URL!!!) stammen allerdings regelmässig von C. Go von den Philippinen: Bilder aus aller Welt vom 13., 12., 11., 10., 9. (ein Film), 8., 7./8., 7., 6./7. (ein Film und noch einer), 5., 4./5., 4., 3.. 2. und 1. Juni und 30., 29., 28., 22. und 21. Mai sowie Karten vom 5./6. Juni und 21./22. Mai. Auch interessant: Oberflächendetails der Monde mit einem 12-Zöller.

T. Lovejoy hat schon wieder einen Kometen entdeckt, erneut mit einer digitalen Spiegelreflexkamera! Leider verblasst C/2007 K5 schon wieder. Keine 20 Stunden Suche waren seit seinem ersten Fund (dieser C/2007 E2 zog am 4. Juni dicht an Tuban vorbei und ist schon sehr schwach geworden) vergangen. • Am 8. Juni fiel mal wieder ein Sungrazer in die Sonne. • Und eine umfassende Übersicht über das Rotationsverhalten von Kometenkernen hat I. Ferrin zusammengestellt.

Eine auffällige Sonnenfleckengruppe war die AR 960, die am 2. Juni dramatisch am Sonnenrand auftauchte (eine Übersicht und H-Alpha-Aufnahmen), am 4. Juni einen M9-Flare produzierte und am 6. (Details), 7. und 8. Juni schon wieder zerfiel. M. Karrer demonstriert derweil, was man mit einem PST an einem großen Refraktor leisten kann ...

Bilder und Videos der ISS mit angedockter Atlantis sind am 12. Juni, in der Nacht 11./12. Juni (eine andere Bildsequenz mit Flare) und vorher gelungen. Und nach dem abendlichen Start der Atlantis hatte es spektakuläre Lichteffekte am Himmel über den USA gegeben. • Die ersten nachtleuchtenden Wolken der Saison sind in Nordirland gesichtet worden – aber Vorsicht vor falschen Wolken! • Und die Nova V 5558 Sgr wird immer heller und hat bereits 8,6m erreicht.

Venus im Mittelpunkt: Anerkennung für Amateuraufnahmen, intensive Parallel-Kampagne zum MESSENGER-Vorbeiflug

Der letzte Monat der günstigen Abendsichtbarkeit der Venus ist angebrochen, nachdem sie am 9. Juni ihre grösste östliche Elongation von 45,4° und Halbphase erreichte, nun aber rasant auf die Sonne zu wandert, während der Durchmesser wächst und die Sichel schrumpft und sich die Geometrie am europäischen Himmel schnell verschlechtert. Damit endet ein Vierteljahr, in dem sich das Wesen der Venusforschung grundlegend verändert hat: Mit einem Mal waren zahlreiche Amateurbeobachter gerade auch in Mitteleuropa in der Lage, die Venuswolken und ihre Rotation im Ultravioletten zu verfolgen, womit eine hier Ende 2005 artikulierte Vision Wirklichkeit geworden ist. Die laufend eingehenden Bilder sind u.a. im japanischen Planetenarchiv – neue URL!!! – zu sehen, besonders gute entstanden zuletzt am 12., 11., 10. und 2. Juni und 30., 24. (dito – und sogar mit nur 5½ Zoll!), 23., 22. und 21. Mai. Und die – massgeblich vom sommerlichen Aprilwetter verantwortete – Flut exzellenter Venusaufnahmen, -animationen und -wolkenkarten hat prompt Anerkennung bei der professionellen Venusforschung gefunden!

Diese findet in Deutschland im Wesentlichen im Rahmen des Venus Express (VEX) statt, der seit gut einem Jahr um den Planeten kreist, und als Ende Mai einer der beteiligten Wissenschaftler auf der Violauer Planetentagung als Fachreferent auftrat, hatte er mehrere deutsche Amateuraufnahmen der vergangenen Wochen den entsprechenden (und ansonsten unveröffentlichten) Bildern der Venus Monitoring Camera auf VEX gegenübergestellt. Dessen Ellipsenbahn und das fixe Gesichtsfeld der VEX-Kameras verhindern die permante Überwachung des gesamten Planeten: Die Amateuraufnahmen sind ideal geeignet, um den globalen Kontext für die scharfen Detailaufnahmen vom VEX zu liefern, die in ihrer Schärfe wiederum eine Fülle bisher unbekannte Wolkenphänomene zeigen, insbesondere ausgeprägte Wellenzüge unbekannter Ursache – leider dürfen sie hier (noch) nicht wiedergegeben werden. Um die Kunde von der heutigen Fertigkeit der Amateurvenusbeobachter noch weiter in die Fachwelt zu tragen, werden die besten Ergebnisse dieser Abendsichtbarkeit im August auch auf dem zweiten European Planetary Science Congress in Potsdam präsentiert werden, an dem übrigens Amateurastronomen stark vergünstigt teilnehmen können.

Die wohl umfassendsten Venus-Beobachtungen in einem bestimmten Zeitraum dürften zwischen dem 23. Mai und 9. Juni zustande gekommen sein, als eine umfassende Kampagne mit Profiteleskopen auf der Erde angesetzt war: Praktischerweise fiel die grösste Elongation mit dem Vorbeiflug der NASA-Sonde MESSENGER am Planeten in der Nacht zum 6. Juni zusammen. Der diente zwar in erster Linie zum Abbau von Bahnenergie, um ab nächsten Januar drei Vorbeiflüge am Merkur und 2011 den Eintritt der Sonde in den Orbit um den kaum erforschten Planeten zu ermöglichen. (Auch bei ihm machen sich inzwischen Amateure verdient, wie Bildersammlungen von Merkur und Venus & Merkur vom Juni und Mai zeigen.) Aber die Geometrie des Vorbeiflugs war so günstig, dass diesmal alle sieben Instrumente MESSENGERs eingeschaltet waren, und auch wenn sie nicht unbedingt ideal für die Venusforschung sind, so versprechen die Parallelmessungen mit dem Venus Express und rund 20 Profi-Arbeitsgruppen auf der Erde (sowie natürlich Amateurbeobachtern) manch neue Einsicht über unseren verschleierten Nachbarn. Die 6 Gbit MESSENGER-Daten sind bereits übertragen (beim VEX dauert es aus Bahngründen noch bis heute), und am 14. Juni wurden ein paar der 614 Fotos präsentiert (unten), die allerdings mangels Venus-spezifischer Filter keine Wolkendetails zeigen.

Meilenstein in der optischen Interferometrie: echtes Bild eines normalen Sterns gelungen!

Zum ersten Mal ist es mit einem optischen Interferometer gelungen, ohne grössere Tricks ein echtes Bild von der Oberfläche eines sonnenähnlichen Sterns zu erhalten: Bisher war so etwas nur bei sehr großen Sternen und mit allerlei Zusatzannahmen über ihre Natur möglich. Aber Fortschritte bei der Datenanalyse des CHARA-Interferometers auf dem kalifornischen Mt. Wilson haben nun zu einem »monumentalen Fortschritt« geführt, wie der CHARA-Direktor sagt, und die zweidimensionale Darstellung von Sternoberflächen wie nun beim Atair gelungen sei dabei erst der Anfang. Vielmehr könnte man bald auch in der Lage sein, Exoplaneten neben Sternen mit interferometrischen Methoden abzubilden.

Das Licht von vier der kleinen CHARA-Teleskope waren in Sachen Atair zusammengeführt worden, um die Winkelauflösung eines 265 x 195 Meter großen optischen Teleskops von unter einer Millibogensekunde zu erreichen, und lediglich eine elliptische Gestalt des Sterns musste angenommen werden, wie sie bei einem schnellen Rotator naheliegt. Das Bild zeigt klar den Effekt des »gravity darkening« auf die stark verzerrte Sternphotosphäre: Wegen der starken Abplattung durch die Rotation ist die effektive Temperatur am Äquator deutlich geringer als an den Polen. Dieses Phänomen wurde zwar auch schon früher mit Interferometern nachgewiesen, insbesondere bei Vega, aber erst die neuartige annahmenfreie Bildrekonstruktion von CHARA erlaubt die direkte Kartierung der Photosphärenhelligkeit: Sie liegt am Äquator bei 60-70% des Polwertes. Und prompt machen sich Widersprüche zur Theorie bemerkbar, die eine weniger starke Verdunkelung des Äquators voraussagt.

Heizungsmechanismus der Sonnenchromosphäre verstanden?

Warum die Korona der Sonne Millionen Grad heiss ist, während es die Photosphäre darunter nur auf ein paar tausend Grad bringt, harrt immer noch der Klärung, aber zumindest der Mechanismus, der die zwischen beiden liegende Chromosphäre auf eine Temperatur deutlich über der der Photosphäre treibt, könnte nun verstanden sein. So war es jedenfalls auf einer – per Telefon zu verfolgenden – Pressekonferenz während einer Astrotagung auf Hawaii in der Nacht zum 30. Mai (MESZ) zu vernehmen: Danach sorgen Magnetfelder dafür, dass Schallwellen aus dem Sonneninneren bis in die Chromosphäre geleitet werden, wo sie dann ihre Energie an das Gas abgeben. Der Schlüssel sind die schon lange bekannten Spikulen der Chromosphäre, die sich neuen Sonnensatelliten wie Hinode (Bild) als überaus dynamisches Phänomen zeigen.

Lange gab es zwei grundlegende Hypothesen zur Chromosphärenheizung: die Rekombination magnetischer Feldlinien und Schallwellen. Die Lösung scheint nun eine Kombination beider Ansätze zu sein: Die Spikulen verhalten sich wie Geysire, die sich gegen die enorme Schwerkraft der Sonne (27 g) erheben, und die in ihnen eingeschlossenen Schallwellen enthalten eine Menge Energie. Erst die Struktur des Magnetfelds erlaubt aber deren Transport in die Chromosphäre, und nur die gemeinsamen Beobachtungen von Satelliten wie SOHO und TRACE und Sonnenteleskopen in der Antarktis und auf den Kanaren (Instrumenten, die erst seit wenigen Jahren zur Verfügung stehen) erfassen die komplexen Prozesse im Detail, die zugleich von aufwändigen Computersimulationen nachvollzogen werden. Und wer heizt die Korona? Das könnte ein ähnlicher aber auch ein ganz anderer Vorgang sein, hiess es auf der Pressekonferenz, aber da in der Chromosphäre mehr Energie als in der (viel ausgedünnteren) Korona steckt, sei es gut, zuerst die Chromosphäre zu verstehen.

»Rote Novae«: eine neue Art von Sternexplosionen nach Verschmelzungen zweier Sterne?

M 85 Optical Transient 2006-1 wird ein ungewöhnlicher Sternausbruch genannt, der am 7. Januar 2006 in der Galaxie Messier 85 im Virgo-Haufen entdeckt wurde und der schliesslich eine maximale absolute R-Helligkeit von -12M erreichte: gut 10-mal heller als eine Nova aber andererseits mindestens 10-mal schwächer als eine Supernova des Typs Ia, wie man sie in solch einer Linsengalaxie erwarten würde (Kulkarni et al., Nature 447 [24.5.2007] 458-60). An der Stelle des Ausbruchs zeigten alte Aufnahmen auch keinen auffälligen Stern, so dass die Eruption eines Luminous Blue Variable ausgeschlossen werden kann. Zwei Monate lang strahlte die Quelle, die 70 Tage lang ein Helligkeitsplateau hielt, eine Energie von insgesamt 1047 erg ab, dann verblasste sie wieder. Und die vielleicht führende Hypothese für diesen Sternausbruch – und eine Handvoll ähnliche – ist die Verschmelzung zweier Sterne.

Können Luminous Blue Variables als Supernovae explodieren?

Die Physik zugegebnermassen nur »a half-baked idea«, aber die Beobachtung bipolarer Nebel um die Supernova 1987A und andere Sterne scheint zu demonstrieren, dass massereiche Sterne auch als LBVs explodieren können und nicht nur, wie die Standardtheorie der Typ-II-Supernovae besagt, als Wolf-Rayet-Sterne. • Die – vielleicht bald – bevorstehene Supernova-Explosion des massereichen Sterns Eta Carinae ist vermutlich harmloser als oft gedacht und sollte die Biosphäre der Erde nicht ernsthaft in Mitleidenschaft ziehen.

Die bekanntensten Parallelen sind Messier 31 RV, der 1988 in der Andromeda-Galaxie aufflammte, und V 838 Monocerotis in unserer eigenen Milchstraße, der dank mehrerer farbenprächtiger Eruptionen spektakuläre und dynamische Lichtechos an den Hubble-Himmel zaubert. Letzerem Stern wurde vergangenes Jahr eine ganze Tagung gewidmet, und wie Ohrenzeugen berichten (New Scientist vom 7.4.2007 S. 32-6), war man sich praktisch einig, dass entweder der Sturz mehrerer großer; Planeten in einen Stern oder die Verschmelzung zweier Sterne die einzigen plausiblen Erklärungen für V838 Mon sind: stellarer »Kannibalismus« der einen oder anderen Art also. Die Beobachter von M 85 OT2006-1 sprechen sich im Abstract ihres Papers zwar auch für die Verschmelzungshypothese aus, bleiben aber im Detail unverbindlich. Doch dass sie einen neuartigen Typ Sterneruption gesehen haben, glauben sie schon: »Luminous Red Nova« schlagen sie als Name dafür vor.

Das neue Jahrbuch ist da: Das astronomische Jahr 2008

Wie lange dauert es, alle relevanten Informationen für einen Beobachtungsabend zusammenzustellen?

Das Astronomische Jahr ist ein Jahrbuch der neuen Generation, das Astronomie-Interessierten hilft, sich in der Flut der heute vorhandenen Daten zurechtzufinden, indem es die wesentlichen Informationen herausfiltert und gleichzeitig praxisorientiert aufbereitet:

  • Alle Himmelsdaten einer Kalenderwoche sind übersichtlich auf zwei gegenüberliegenden Seiten dargestellt.
  • Blättern und zeitintensives Zusammensuchen von Informationen für einen Beobachtungsabend entfallen.
  • Wichtige Ereignisse sind thematisch gruppiert und auf einen Blick zu erkennen.
  • Alle Informationen sind in leicht verständlichen Grafiken umgesetzt.
  • Auf Wunsch können auch alle Daten ganz genau in der umfassenden Tabelle nachgeschlagen werden.
  • Die dort aufgelisteten Ephemeriden können Dank Farbcodierung besonders schnell erfasst werden.

Besonderer Wert wurde darauf gelegt, dem Beobachter alle notwendigen astronomischen Größen an die Hand zu geben, die für die eigene Beobachtung entscheidend sind. Mehr noch: Im Astronomischen Jahr sind erstmals bisher nur schwer verfügbare Daten zu finden, wie beispielsweise die grafische Darstellung der Uranus-, Neptun und Marsmonde. Darüber hinaus soll eine Auswahl ungewöhnlicher Himmelsereignisse neue Anregungen für eigene Beobachtungen geben, so wie es aus der Zeitschrift interstellarum bereits bekannt ist.

In der Ausgabe für 2008 wurden gegenüber dem Vorjahr verbessert:

  • größere Schrift, einfacher lesbare Tabellen
  • ausführliche Beschreibung eines Wochenereignisses in Wort und Bild
  • Jahresübersicht der wichtigsten Ereignisse
  • optimiert für die Lesbarkeit mit roten Taschenlampen

Friedrich, Susanne, Friedrich, Peter, Schurig, Stephan: Das Astronomische Jahr 2008 – Woche für Woche Daten und Grafiken zur eigenen Beobachtung der Gestirne. Oculum-Verlag, Erlangen, September 2008. 128 Seiten, 13 Karten, wasserabweisende Oberfläche, kartoniert 30cm×21cm, durchgehend farbig. ISBN 978-3-938469-19-4, 9,90 EUR + Porto/Versand

Inhaltsverzeichnis und Beispielkarten unter http://www.oculum.de/oculum/titel.asp?Nr=33

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Sternströme rund um die Milchstraße – von kleinen Galaxien oder auch hausgemacht

»Geschoben« von einem kosmischen Loch

Die Milchstraße liegt in einem Filament aus anderen Galaxien am Rande einer besonders leeren Zone, der »Local Void«: Vermessungen der Raumgeschwindigkeiten vieler unserer Nachbargalaxien zeigen jetzt, dass die Void ausgesprochen galaxien- und damit massenarm ist, weshalb uns andere Galaxien mit 100 km/s von der Void fortziehen – ihre Leere schiebt uns quasi davon.

Lange gebogene Ketten aus Sternen, im Fachjargon »Ströme« genannt, winden sich weit draussen um unsere Milchstraße: Dieses Phänomen ist schon lange bekannt, und in der Regel stecken Zwerggalaxien oder Kugelsternhaufen dahinter, die vom Gezeitenfeld der Milchstraße zerrissen wurden. Zum Beispiel drei riesige Ströme quer über den nördlichen Himmel, die zwischen 13 000 und 130 000 Lichtjahre von der Erde entfernt sind: Vermutlich reichen die Ströme (mit denen nun neun bekannt sind) einmal um den ganzen Himmel herum, aber dies zu beweisen fehlen die Daten. Zwei der Ströme lassen sich auf ehemalige Kugelhaufen, der dritte auf eine zerstörte Zwerggalaxie zurückführen – aber bei anderem anderen, dem Hercules Stream, geht das nicht: Seine Chemie entspricht derart klar der der Milchstraße, dass seine Sterne eigentlich nur von dort und nicht von einem Spender weit ausserhalb stammen können. Diesen speziellen Sternstrom könnte eine Instabilität in der Nähe des zentralen Balkens der Milchstraße auf die Reise geschickt haben.

Andromeda XII: eine Zwerggalaxie, die noch nie hier war?

Die schwächste Zwerggalaxie, die bisher in der Nähe der Andromedagalaxie entdeckt wurde, And XII, hat noch eine weitere Besonderheit: einen extremen Orbit mit hoher Exzentrizität, auf dem sie sich auch noch mit hoher Geschwindigkeit bewegt. Ausserdem befindet sich die Zwerggalaxie von uns aus gesehen weit hinter M 31, 115 kpc von ihr entfernt: Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass sie zum allerersten Mal aus den Tiefen des interstellaren Raumes in die Lokale Galaxiengruppe gestürzt kommt. Denn das Universum ist gar nicht alt genug, als dass sie ihre Bahn in der Nähe von M 31 begonnen haben könnte und nun zum zweiten Mal in die Nachbarschaft kommt. Viel eher dürfte die Galaxie – ganz wie von den heutigen Modellen der Galaxienbildung erwartet – in einem intergalaktischen Filament entstanden sein, und zwar jenem, das die Lokale Gruppe mit der Galaxiengruppe um M 81 verbindet. And XII ist damit das beste bekannte Beispiel für ursprüngliche Zwerggalaxien, die noch heute zum ersten Mal in unsere Galaxiengruppe fallen (wie ebenfalls vorausgesagt) und noch nicht durch die Nähe zu großen Galaxien verändert wurden. Und ihre hohe Raumgeschwindigkeit könnte auch bedeuten, dass die Masse von M 31 grösser als gedacht ist.

Zwerggalaxien mit zu viel (gewöhnlicher) Dunkler Materie

Triangulation: MACHO sitzt im Milchstraßenhalo

Dank der gleichzeitigen Beobachtung eines Microlensing-Ereignisses (in Richtung der Kleinen Magellanschen Wolke) von der Erde und dem 70 Mio. km entfernten Satelliten Spitzer aus konnte die Lage des linsenden Objekts mit 95% Sicherheit im Halo unserer Milchstraße bestimmt werden. Das rund 10 Sonnenmassen schwere finstere »MAssive Compact Halo Object« gehört wahrscheinlich zur »normalen« kosmischen Materie – ein Paar Schwarzer Löcher? – und trägt somit leider nichts zur Aufklärung der nicht-baryonischen Dunklen Materie bei, die die Masse des Kosmos im Allgemeinen und die unseres Halo im Besonderen bei weitem dominiert.

Wenn zwei Galaxien miteinander zusammengestossen sind, können sich aus dem umherfliegenden Trümmern »recyclete« Zwerggalaxien bilden: Modellrechnungen sagen klar voraus, dass diese speziellen Zwerge keine Dunkle Materie enthalten sollten, weil die mutmasslichen unbekannten Elementarteilchen, aus denen sie bestehen soll, in großen Galaxien hohe Geschwindigkeiten haben müssten und von den neuen Zwergen gar nicht festgehalten werden könnten (Elmegreen, Science 316 [25.5.2007] 1132-3). Doch in mehreren Fällen bei NGC 5291 hat sich nun gezeigt, dass Neuzwerge doppelt so viel Dunkle wie sichtbare Materie enthalten (Bournard et al., ibid. 1166-9)! Neben der geheimnisvollen nicht-baryonischen Dunklen Materie enthält der Kosmos auch geringere Mengen »normaler« Materie (aus handelsüblichen Elementarteilchen), die trotzdem nicht leuchtet: Es muss wohl diese Variante sein, in in den recycleten Zwergen steckt, wahrscheinlich kaltes, molekulares Gas. Und das muss mithin auch in den Scheiben der großen Galaxien versteckt sein, aus denen die kleinen hervorgehen, und in einer besonders schwer zu beobachtenden Form getarnt sein.

Auch das noch ...

Zahlreiche amateurastronomische Veranstaltungen in aller Welt fanden in den vergangenen Wochen statt, in Deutschland das ITV und der 5. PAS, in Österreich der 5. Astronomie-Tag und in den USA eine Tagung und Astromesse am Big Bear Lake und die (diesmal verregnete) Texas Star Party. • Auch Gewitter brauchen die Astronomie nicht zu stoppen: Blitze & Sterne zur selben Zeit sind in den letzten Wochen gleich mehrfach fotografiert worden (dito).

Vermessung der Nachthimmelshelligkeit schreitet voran: Während das visuelle »Massenexperiment« von http://www.oculum.de/newsletter/astro/000/10/3/13.h62h8.htm#2 auch im zweiten Anlauf zu ungenau blieb, liegen schon mindestens 820 digitale Messungen mit 135 Sky-Quality Meters vor, mit deren Hilfe globale Satellitenmessungen des künstlichen Erdlichts vielleicht besser in die Himmelshelligkeit umgerechnet werden können. • Eine dramatische Deklaration einer UNESCO-Tagung zur Lichtverschmutzung wurde auf La Palma verabschiedet – ob's was hilft?

Berühmte Teleskope als Touristenattraktionen sind für das Wall Street Journal ein echter Wirtschaftsfaktor geworden: So bestreitet z.B. das Keck Observatory einen Teil seiner Betriebskosten durch hohe Gebühren, die Fans zu zahlen bereit sind, um bei Beobachtungen dabei zu sein! • Großteleskope mit flüssigen Spiegeln sind erwachsen geworden: Ein Large Zenith Telescope mit 6 m Durchmesser arbeitet bereits in Kanada – und es gibt die Vision derartiger Teleskops auf dem Mond. • Das große; Durchmusterungsteleskop VISTA macht Fortschritte: Damit »bezahlt« das UK seinen ESO-Beitritt. • Eine große; Sammlung astronomischer Kataloge ist in Russland online, zwar überwiegend aus der Radioastronomie aber auch anderen Wellenlängen.

28 neue Planeten auf einmal? Von wegen ...

Die angebliche Entdeckung von 28 neuen Exoplaneten quasi auf einen Streich, die für zahlreiche Schlagzeilen sorgte, hat es nicht gegeben: Wenn man die entsprechende Pressemitteilung genau liest, stellt sich heraus, dass die Objekte nach und nach im Laufe vieler Monate gefunden und seinerzeit auch längst veröffentlicht worden waren ...

Schon drei Transitfunde des Profi-Amateur-Teams XO hat es gegeben, wobei XO-3b hart an der Grenze Planet/Brauner Zwerg sitzt. Bereits neun Amateure machen bei der Jagd mit, indem sie gezielt Transit-Kandidaten überwachen, die ständig eine professionelle Himmelskamera liefert. • An alle photometrisch begabten Amateure richtet sich derweil ein Beobachtungsaufruf in Sachen Gliese 436: »the most important opportunity that has come around for small-telescope observers in a long time«. Bei Gliese 581 wurde auch, vergeblich, auf Transits gewartet.

Das kühlste sternähnliche Objekt, das bisher aufgespürt wurde, ist ULAS J0034-00, mit 15 bis 30 Jupitermassen ein besonders massearmer Brauner Zwerg, der gleich zu Beginn der noch bis 2012 laufenden UKIRT IR Deep Sky Survey ins Netz ging. • Das kleinste Objekt der Milchstraße mit einem Jet ist der Braune Zwerg 2MASS1207-3932 mit 24 Jupitermassen: Solcherlei Ausflüsse könnten durchaus auch bei grösseren Exoplaneten vorkommen. • Der metallärmste Stern mit Exoplaneten ist HD 155 358, der sich trotz nur 21% der schweren Elemente der Sonne mindestens zwei Planeten von Jupitergrösse gönnt.



Clear skies wünscht
Ihr Daniel Fischer
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