zusammengestellt von Daniel Fischer
Ausgabe 24
31.8.2006

Der Astronomie-Newsletter von Daniel Fischer ist ein neuer kostenloser Service von interstellarum, Ihrer Zeitschrift für praktische Astronomie.

Sein Inhalt besteht aus aktuellen Nachrichten für Amateurastronomen und Informationen für Abonnenten. Der Newsletter wird je nach Bedarf etwa im zweiwöchigen Rhythmus versendet – bei gegebenem Anlass werden Sie auch über Neuerscheinungen und Angebote des Oculum-Verlags informiert. Beiträge aus der Leserschaft sind ausdrücklich erwünscht! Bitte senden Sie aktuelle Bilder, z.B. von Planeten, Finsternissen oder anderen astronomischen Ereignissen wie gewohnt an die interstellarum-Redaktion. Mit Ihrer Einsendung erklären Sie sich sowohl mit einer Verwendung im Newsletter als auch im gedruckten Heft für einverstanden. Um nicht auf diesem Newsletter zu stehen, folgen Sie bitte den Hinweisen unter http://www.oculum.de/interstellarum/newsletter.asp.

3. September, 7:41 MESZ Crash des Orbiters SMART-1 auf den Mond – siehe unten!
5. September, 12:30 MESZ Uranus in Opposition im Aquarius, 5,7m, 3,7" Scheibchendurchmesser
7. September, früher Abend Partielle Mondfinsternis; Partialität endet um 21:38 MESZ
12. September, ca. 22:00 MESZ Plejaden-Bedeckung durch den Mond (eine von vielen)
15. September, 7:30 MESZ Nördlichste Monddeklination des Jahres, +28°20½' (in Bonn)

Aktuell beobachtet: • Chi Cygni hat sein Maximum überschritten, das die ganze Erscheinung des Schwans veränderte (in nahen IR war er sogar der hellste Stern des ganzen Sternbilds; Gavin, The Astronomer 43 #508 [2006 August] C4); es gibt auch ein detailreiches Spektrum. • Von Komet Barnard gibt es Beobachtungen von Mitte August und vom 18.8. • Und ein dritter Meteorit des norwegischen Falls vom 14. Juli ist gefunden worden – er durchschlug ein Dach, was in Europa schon lange nicht mehr vorkam.

Da waren's nur noch acht Planeten – und mindestens drei »Zwerge«

Nicht dass sich der Zustand des Sonnensystems irgendwie verändert hätte, als die Vollversammlung (Abb.) der Internationalen Astronomischen Union (IAU) am 24. August um 15:34 MESZ in Prag den Pluto aus der exklusiven Gruppe der Planeten in die neugeschaffene Kategorie »Zwergplaneten« verschob: eine rein semantische Massnahme, doch begleitet von erstaunlich emotionalen Ausbrüchen von Laien wie Fachastronomen gleichermassen, und auf diese Weise doch ein bedeutender Augenblick in der Geschichte des Kosmos. Der Status eines Himmelskörpers als »Planet« ist eben doch etwas Besonderes: Wäre z.B. seit Jahresbeginn eine NASA-Sonde zum Pluto unterwegs, wenn er nicht breitesten Kreisen als letzter unerforschter Planet erschienen wäre? Und die klare Einordung dieses und anderer Körper auf der Kippe ist auch für die Verwaltung des Sonnensystems von Belang: Welches Gremium über die Namensgebung und ggf. Numerierung zu befinden hat, wird dadurch festgelegt.

Nun kann die IAU zwar juristisch nichts erzwingen, hat sich aber seit ihrer Gründung 1919 einen untadeligen Ruf als unparteiische Interessensvertretung der Astronomen der ganzen Welt erarbeitet, und so war es fraglos an ihr (und nicht etwa nationalen Astronomenverbänden), die erste wissenschaftlich fundierte Definition des Begriffs »Planet« zu finden. Geschickt angestellt haben sich ihre Funktionäre dabei zwar wahrlich nicht, aber die Beteiligten des komplizierten Prozesses haben sich redlich bemüht, wie der Autor aus eigener Anschauung bei der Prager Konferenz miterleben konnte, und das Ergebnis drückt – hämischen Kommentaren unterlegener Parteien zum Trotz – durchaus den Konsens der astronomischen Weltgemeinschaft aus. Es lohnt sich also, den Gedankengängen und Entscheidungswegen im Detail zu folgen: Manches kann man (und auch die breite Öffentlichkeit, Schulkinder insbesondere!) dabei über das Wesen des Sonnensystems – aber auch das Verhalten der Bewohner seines immer noch dritten Planeten – lernen!

Nötig geworden war eine klare Planetendefinition durch Entdeckungen am Rande des Sonnensystems seit 1992, als der 1930 entdeckte Pluto mit 1992 QB1 plötzlich nicht mehr allein im im Kuiper-Gürtel war, und erst recht 2005, als ihn 2003 UB313 gar an Größe überbot. Eigentlich ein Zufall, denn der Pluto stand zur Zeit seiner Entdeckung gerade nahe dem Perihel seiner elliptischen Bahn, 2003 UB313 dagegen sitzt heute im Aphel: Hätten beide zum Zeitpunkt der ersten großangelegten fotografischen Suche nach einem »9. Planeten» an anderen Punkten ihrer Bahn gestanden, wäre vielleicht 2003 UB313 der einzige Körper oberhalb der damaligen Nachweisgrenze gewesen und fürderhin als 9. Planet geführt worden. Dass der Pluto in Sachen Größe wie Ordentlichkeit der Bahn (sie ist nicht nur stark elliptisch, sondern auch stark geneigt) mit den anderen 8 Planeten nicht mithalten konnte, war schon Jahrzehnte lang klar gewesen: Wäre er später entdeckt worden, hätte man ihn wohl gleich als Kleinplanet (wenn auch ungewöhnlich sonnenfernen) katalogisiert. Der Versuch, Pluto 1999 die Kleinplanetennummer 10 000 zu verpassen, scheiterte freilich am erbitterten Widerstand überwiegend amerikanischer Traditionalisten, die sich den einzigen in den USA entdeckten Planeten nicht kleinreden lassen wollten. Die IAU beugte sich schliesslich dem Druck.

Wenn es ans Definieren des Planetenbegriffs geht, kann man sich von drei verschiedenen generellen Gesichtspunkten leiten lassen, die alle etwas für sich haben. Nach dem ersten muss man das Sonnensystem als System betrachten: Planet ist, wer in einem bestimmten Abstandsbereich von der Sonne ein klar dominanter Körper ist und/oder es geschafft hat, diese Zone im Wesentlichen freizufegen. Alternativ kann sich ganz auf den Körper an sich konzentrieren, wie es z.B. bei der Klassifizierung der Sterne üblich ist: Als Planetenkriterium könnte dann dienen, dass sich der Körper im hydrostatischen Gleichgewicht befindet, d.h. sich durch seine eigene Schwerkraft und gegen eine eventuell vorhandene eigene Steifigkeit zu ungefähr einer Kugel geformt hat. Oder dass er einen bestimmten willkürlich festgelegten Durchmesser übersteigt. Oder mindestens eine bestimmte absolute Helligkeit besitzt: Die lässt sich, sobald die Bahn und damit Sonnen- und Erdabstand bekannt sind, direkt messen, während die Bestimmung des Durchmessers die Kenntnis der Albedo (des Rückstrahlvermögens) voraussetzt und die »Rundheit aus eigener Kraft« gerade bei den zur Diskussion stehenden Körpern in großer; Distanz oft kaum zu ermitteln ist.

Ein dritter Aspekt ist schliesslich die kulturelle Etabliertheit eines Körpers als Planet, ein freilich sehr subjektives und instabiles Kriterium. Der Begriff stammt aus der Antike und bezeichnete einfach Körper, die zwischen den Sternen am Himmel herumwanderten. Mit der kopernikanischen Wende erlebte das Wort einen großen Bedeutungswandel, und Sonne und Mond wurden aussortiert, während die Erde hinzukam. Und mit der Erfindung des Fernrohrs und später der Astrofotografie wurden seit dem 18. Jh. immer mehr Körper im Sonnenorbit aufgespürt, von denen letztlich nur Uranus (marginal mit dem blossen Auge sichtbar) und Neptun (unsichtbar) unumstritten »klassische« Planeten wurden. Die seit 1801 aufgespürten Objekte zwischen Mars- und Jupiterbahn, die zunächst ebenfalls als Planeten gelistet wurden, werden spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts allesamt als Kleinplaneten angesprochen, inklusive des mit Ceres grössten, der immerhin 40% ihrer gesamten Masse enthält. Dem »Planeten« Pluto blieb solch eine Reklassifizierung (oder Deklassierung?) indes lange erspart, weil 62 Jahre lang seine vielen Begleiter – mit zusammen einem Vielfachen der Plutomasse – unentdeckt blieben.

Ein erster Versuch der IAU, zu einer wissenschaftlichen Planetendefinition zu kommen, war im November 2005 nach Jahren der Diskussion im Sande verlaufen: Die 19-köpfige Kommission (eingesetzt von der IAU-Division III, Sonnensystem) hatte am Ende drei Alternativen anzubieten, Größe über 2000 km, hydrostatisches Gleichgewicht und Dominanz in einer Region des Sonnensystems (Nature vom 17.8.2006 S. 724-5). Mit dem Nahen der nur alle drei Jahre stattfindenden 2006-er Vollversammlung (und nach der Entdeckung von 2003 UB313) versuchte es die IAU-Exekutive ein zweites Mal: Jetzt berief sie selbst sechs Astronomen aus unterschiedlichen Ländern und eine Schriftstellerin in ein neues »Planet Definition Committee«, das alle Aspekte abwägen sollte, historische und kulturelle inklusive. Und nach anfänglicher Sorge über eine erneute Sackgasse der Diskussion, so wird in Dokumenten des Kommitees berichtet, sei plötzlich – nach nur zwei Treffen Ende Juni und Anfang Juli 2006 – allen klargewesen, wie es gehen müsse. Einstimmig sei beschlossen worden, alleine die Physik des Körpers selbst sprechen zu lassen und jeden Bezug auf seinen Platz im Gefüge des Sonnensystems zu ignorieren, so der Kommittee-Vorsitzende auf einer Pressekonferenz: Eine Alternative auf einem guten 2. Platz habe man nicht gesehen.

»Ein Planet ist ein Himmelskörper, der a) ausreichende Masse besitzt, damit seine eigene Schwerkraft die Steife des Körpers überwindet und er ein hydrostatisches Gleichgewicht und eine nahezu runde Gestalt annimmt, und sich b) im Orbit um einen Stern befindet und selbst weder ein Stern noch der Satellit eines Planeten ist« – das sollte die grundlegende Definition sein. Es folgten allerlei Verfeinerungen, nach denen von einem Doppelplaneten die Rede sein sollte, wenn sich das Baryzentrum (der gemeinsame Massenschwerpunkt) ausserhalb des grösseren Körpers befände, die Planeten jenseits der Neptunbahn sollten »plutons« genannt werden und alle Planeten kleiner als Merkur zudem inoffiziell »dwarf planets« (Zwergplaneten), d.h. die plutons plus Ceres. Die Zahl der Planeten im Sonnensystem würde plötzlich auf 12 steigen, denn nicht nur bliebe Pluto einer, sondern es kämen auch noch der grösste Asteroid Ceres, Plutos Begleiter Charon und 2003 UB313 hinzu (Abb.: eine offizielle IAU-Grafik dazu, mit kugelrundem Saturn ...) – und es gibt noch eine Warteliste mit derzeit 12 weiteren Kandidaten, bei denen noch nicht klar ist, ob sie sich selbst ausreichend rund gemacht haben! Der Begriff »Kleinplanet« sollte gleichzeitig abgeschafft werden: Alles was kein Planet ist, würde pauschal zum »Small Solar System Body«.

Der Vorschlag wurde als Resolution 5 für die 26. General Assembly ausformuliert, von der IAU-Exekutive ein wenig geradeliniger geschrieben und einmütig unterstützt – und sodann absolut geheimgehalten, selbst über den Beginn der Tagung hinaus! Erst an ihrem dritten Tag, dem 16. August, wurden Text und Erläuterungen den in Prag anwesenden Astronomen über die Tagungszeitung bekanntgemacht, 8 Tage bevor darüber abgestimmt werden sollte. Normalerweise sind Resolutionstexte Monate vor der Versammlung fertig und längst im IAU Information Bulletin veröffentlicht, aber hier sah man besonders drängende Umstände am Werk. Der damalige IAU-Präsident Ron Ekers begründete das außergewöhnliche Vorgehen gegenüber interstellarum mit der Sorge, der Vorschlag – den man ja leicht ins WWW hätte stellen können – wäre bei einem Bekanntwerden vor der Tagung zerredet worden, und man wäre einer Flut von E-Mails nicht mehr Herr geworden. Trauten die Autoren und die Exekutive der Überzeugungskraft ihrer doch so einmütig gefundenen Lösung so wenig, auch wenn sie sich zunächst noch optimistisch gaben?

Binnen Stunden nach der Veröffentlichung des Textes war in den Gängen des Prager Kongresszentrums unüberhörbar, dass es der Resolutionsentwurf sehr schwer haben würde: Planetenforscher wie – auf der die gesamte Astronomie abdeckenden Tagung weit domierende – andere Astromen schüttelten ungläubig den Kopf angesichts der Inflation von Planeten ohne erkennbares Ende, der plötzlichen Auferstehung von Ceres als vollwertigem Planeten und der Aufwertung von Charon vom Mond zum Planeten. Und die Vorgehensweise der IAU-Exekutive, die an ein Überrumpelungsmanöver erinnerte, stiess auf breite Kritik. Nur wenige Astronomen (darunter allerdings der Vorstand der Division of Planetary Sciences der American Astronomical Society, der sich für die Mehrheit der Planetenforscher weltweit zu sprechen wähnte) unterstützten öffenlich das Papier des Planet Definition Committee, stattdessen tauchten binnen Tagen dezidierte und z.T. mindestens so gut ausgearbeitete Gegenentwürfe auf. Zwischen 8 und 19 Planeten würde im Rahmen diskussionswürdiger Vorschläge das Sonnensystem enthalten: Die folgende Tabelle nennt die Zahl (»+«: Es können mehr werden), das Schlüsselkriterium, die Planeten (die bekannten abgekürzt) von innen nach aussen, den oder die Vertreter und eine Referenz.

8 rund + allein in der Nachbarschaft Me, Ve, Er, Ma, Ju, Sa, Ur, Ne Beschluss der IAU GA-XXVI IAU Press Release
8 mehr als 1% der Erdatmosphäre Ve, Er, Ma, Ju, Sa, Titan, Ur, Ne Craig Heinke u.a. Nuncius Supplement
9 Status Quo und keine weiteren Planeten mehr Me, Ve, Er, Ma, Ju, Sa, Ur, Ne, Pluto Paul Weissman u.a. Nuncius Supplement
10+ Status Quo, aber alle grösser als Pluto dazu Me, Ve, Er, Ma, Ju, Sa, Ur, Ne, Pluto, 2003 UB313 Mike Brown (als eine Option) u.a. Browns Webseite
11+ negative absolute Helligkeit Me, Ve, Er, Ma, Ju, Sa, Ur, Ne, Pluto, 2005 FY9, 2003 UB313 Dave Tholen Nuncius Supplement
12+ rund aus eigener Kraft Me, Ve, Er, Ma, Ceres, Ju, Sa, Ur, Ne, Pluto, Charon, 2003 UB313 Planet Definition Committee 1. IAU Press Release
19+ rund, inkl. aller großen Monde Me, Ve, Er, Erdmond, Ma, Ceres, Ju, Io, Europa, Ganymed, Callisto, Sa, Titan, Ur, Ne, Triton, Pluto, Charon, 2003 UB313 Bill Sheehan u.a. Persönl. Mitteilung

Die erste Diskussionsrunde auf der Vollversammlung stieg am Freitag, dem 18. August, um 14:00 MESZ, im Rahmen der Geschäftssitung der Division III: hitzig aber fair, von sachlichen Argumenten getragen und mit einem eindeutigen Ergebnis. Wie sich schon an den Tagen zuvor abgezeichnet hatte, konnte eine klare Mehrheit den Argumenten des Planet Definition Committe nicht folgen! Nicht nur erschien dessen Text (4 Paragraphen und 4 Fussnoten) zu kompliziert und der Weltöffentlichkeit – um die es schliesslich bei der Definitionsaufgabe primär zu gehen hatte – kaum zu vermitteln, auch das hydrostatische Gleichgewicht als alleiniges wissenschaftliches Argument überzeugte nicht. Die Nachbarschaft eines Körpers im Sonnensystem sei – auch im Zusammenhang mit der Entstehung des ganzen – ganz wesentlich für dessen Einordnung, wurde immer wieder gefordert. Und dann erschien ein Gegenentwurf für eine Planetenresolution auf der Leinwand, den schon etliche Planetenforscher unterzeichnet hatten und der die Dominanz eines Objekts in seiner Nachbarschaft zum Kern des Planetseins erhob. Bei einer Probeabstimmung bezwang dieser Text den Resolutionsentwurf der Exekutive mit deutlicher Mehrheit; weitere Alternativen wie einfach alles mit einer Absoluthelligkeit grösser als Null zum Planeten oder nach Pluto einfach Schluss zu machen (da gab es Buhrufe), kamen nicht zur Abstimmung.

Die Teilnehmer des Meetings wurden angemessen verwirrt ins Wochenende entlassen, und am 22. August versuchte die IAU-Exekutive ein letztes Mal, ihren Planetenplan kaum verändert in einer Diskussion nun mit dem Plenum der Tagung durchzubringen – und verlor eine weitere Probeabstimmung noch deutlicher. Das war's: Ein neuer Text wurde formuliert und am Morgen des Abstimmungstages 24. August bekanntgemacht. Eine Kampfabstimmung zwischen zwei Alternativen, im Prinzip möglich, sollte es nicht geben, dafür war die Resolution aber in vier Teile zerlegt worden, über die nacheinander abzustimmen war. Gemäss der neuen Resolution 5a war ein Planet ein Himmelskörper a) im Orbit um die Sonne mit b) ausreichender Masse, um sich rund zu machen, der c) »die Nachbarschaft um seinen Orbit gesäubert« hat, ein »Zwergplanet« war zwar rund, hat die Säuberung aber nicht geschafft, und »Kleinkörper des Sonnensystems« umfasste alles andere (wobei Begriffe wie Kleinplanet etc. nun erlaubt bleiben). Um 15:19 MESZ kam diese Resolution mit überwältigender Mehrheit der rund 420 stimmberechtigten IAU-Mitglieder, die noch in Prag weilten, durch: Zwar machten diese keine 5% der gesamten Mitgliedschaft aus (die Möglichkeit elektronischer Abstimmung von Abwesenden wird frühestens 2009 geschaffen), aber ihr Votum repräsentierte gut den Diskussionsstand.

Zuvor war klargestellt worden, dass ein »Zwergplanet« kein Planet ist (und den Resolutionsautoren einfach kein anderes passendes Wort eingefallen war, in dem »planet« nicht vorkam): Um das zu unterstreichen, soll fürderhin im Englischen "dwarf planet" immer in Anführungszeichen stehen, damit dabei ja keiner an einen kleinen Planeten denke. Ein Versuch, die absolute Abgrenzung zwischen Planet und Zwergplanet doch noch aufzuweichen, scheiterte um 15:34 MESZ mit der deutlichen Ablehnung der Resolution 5b: Sie hätte vor die 8 Planeten ein »classical« eingeschoben und so »Planet« zum Oberbegriff von 8 klassischen und mindestens 3 Zwergplaneten gemacht (und so dem Pluto seinen Planetenstatus erhalten). Damit das auch jeder kapierte, stellte die souveräne Diskussionsleiterin Jocelyn Bell – als Pulsarentdeckerin ebenso berühmt wie in der Planetenangelegenheit unbefangen – Planet als »umbrella term« auf der Bühne mit einem neckischen Stilleben dar.

Aber genau so kommt es eben nicht: Das Sonnensystem hat von nun an drei Kategorien von Bewohnern, die 8 Planeten (deren Zahl wohl konstant bleiben wird), die derzeit 3 Zwergplaneten Ceres, Pluto und 2003 UB313 (Charon ist nun wieder ein Mond) und hunderttausende Kleinkörper. Die übrigens im Englischen als »small solar-system bodies« mit Bindestrich zu schreiben sind, auch dieses Detail wurde auf der Sitzung festgelegt. Welcher Körper den Sprung vom Kleinkörper zum Zwergplaneten schafft (die Warteliste mit den 12 Kandidaten besteht weiter, und es dürfte in Zukunft noch viele Entdeckungen jenseits des Neptun geben), soll dabei ein noch zu bestimmender »IAU-Prozess« regeln. Gänzlich befriedigend ist also auch diese Lösung nicht, aber allemal besser als eine ständig mit dem Stand der Forschung schwankende Planetenzahl. Nun wäre die Neuordnung des Sonnensystems eigentlich erledigt gewesen – aber da gab es noch die Resolutionen 6a und 6b, deren ausgewiesener Zweck es war, den nun zum Zwergplaneten gewordenen Pluto zu trösten. Dieser solle zusätzlich »als Prototyp einer neuen Kategorie trans-Neptunischer Objekte anerkannt« werden, forderte die Resolution 6a, die (trotz einiger Gegenreden, es gäbe nun genug Kategorien) mit 237 zu 157 Stimmen bei 17 Enthaltungen angenommen wurde.

In Resolution 6b war für diesen Fall der Ausdruck »plutonian objects« für diese Objektklasse vorgeschlagen worden, aber dies scheiterte knapp. Damit war der Pluto also kein Planet mehr, dafür aber u.a. ein Zwergplanet, ein Plutino (womit schon länger Kuiperoids auf 3:2-Resonanzen mit Neptuns Umlaufzeit bezeichnet werden) und der Prototyp einer namenlosen Subklasse von Riesenkuiperoids. (»Plutons« war dafür längst aus dem Rennen, nachdem sich Geologen beschwert hatten, die das Wort schon lange für eine unterirdische Magmablase verwenden. Ausserdem hatten sich schwerwiegende Missverständlichkeiten in anderen Sprachen als Englisch abgezeichnet, wo der Pluto »Pluton« heisst!) Das Echo auf die IAU-Beschlüsse war erwartungsgemäss gewaltig aber auch recht vielseitig. In amerikanischen Zeitungskommentaren hielten sich die Trauer um den verlorenen Planetenstatus und die Erkenntnis, dass dieser ja eigentlich unverdient gewesen war, die Waage, Schulkinder freuten sich über einen Planeten weniger zu lernen, und in nie gekanntem Ausmass wurden Planetariumsleiter und Architekten von Planetenlehrpfaden befragt, wie sie mit den 8 Planeten umzugehen gedächten (einer hatte den armen Ex-Planeten schon mit einer schwarzen Schärpe zugehängt). Der Entdecker von 2003 UB313, Mike Brown, gab sich zufrieden, auch wenn er nun kein Planetenentdecker mehr ist.

In Wirtschaftskreisen wurde gar frohlockt: Neue Bücher, neue 3D-Modelle des Sonnensystems müssten her – auch wenn man bei einem Planeten-Mobile nun eigentlich nur einen abzuschneiden bräuchte (eine übereifrige Firma hatte direkt nach dem 16.8. schon mit der Herstellung von 12-Planeten-Systemen begonnen ...). Einige Mitglieder des ursprünglichen Planet Definition Committee beugten sich ergeben dem Mehrheitsvotum, aber ausgerechnet der Vorsitzende gab sich als schlechter Verlierer, inklusive Verschwörungstheorie. Mit die härtesten Widerworte fand der Chef der Pluto-Mission New Horizons, der gar zum Widerstand aufrief. Mit Detailkritik an der Resolution 5a mag er durchaus Recht haben (»clearing the neighbourhood« ist ein ziemlich schwammiger Begriff), aber dass sie bald wieder revidiert würde, ist eher unwahrscheinlich: Wenn wir jetzt nicht zu Potte kommen, hatte in der Versammlung am 24.8. ein Astronom gemahnt, dann machen wir uns vor der ganzen Welt zu Idioten. Stattdessen sollten nun alle den neuen Text in der Welt offensiv vertreten. Das Ende aller Diskussionen ist er natürlich nicht, zumal er sich auch (im Gegensatz zum ursprünglichen Entwurf, der immer von Sternen sprach) explizit nur auf Planeten der Sonne bezieht: Die Exoplaneten kommen als nächstes dran. Und da werden weiterhin die tollsten Konstellationen entdeckt wie gerade ein Stern mit einem Braunen Zwerg und einem Planeten als Begleiter ...

Spektakulärer Meteorschauer für den 1.9.2007 vorhergesagt

Solch eine Situation gab es noch nie, und deswegen lassen sich die Konsequenzen auch nur vage abschätzen: Am 1. September 2007 um 11:37 UTC ±20 Minuten wird die Erde mitten durch einen Staubstreifen rasen, den der langperiodische Komet C/1911 N1 (Kiess) bei seiner letzten Annäherung an die Sonne vor rund 2100 Jahren abgesondert hat. Auf diese Konstellation hatten Lyytinen & Jenniskens bereits vor einigen Jahren hingewiesen (Icarus 162 [2003] 443-52), jetzt haben Jenniskens & Vaubaillon die Umstände noch einmal im Detail durchgerechnet, unter Benutzung eines echten Modells der Staubfreisetzung aus dem Kometenkern und der drei bisher beobachteten Meteorschauer, die dieser Staub verursachte. Die Autoren – für die Mathematik zeichnete überwiegend Vaubaillon verantwortlich – erwarten einen ingesamt etwa 2 Stunden langen Ausbruch des Meteorstroms der Aurigiden mit ungewöhnlichen Eigenschaften. Es sollte – so Jenniskens in einem kurzfristig ins Programm aufgenommenen Vortrag auf der IAU-Tagung in Prag am 18. August – mindestens 400 Meteore pro Stunde geben, mit Helligkeiten durchweg zwischen +1m und 0m.

Die große; Helligkeit ist gut, denn erst am 28. August wird Vollmond gewesen sein (das steht falsch in dem PDF-Artikel!), und der Mond wird in der idealen Sichtzone westliche USA hoch am Himmel stehen. (Die Situation entspricht ganz gut den Bedingungen der Perseiden 2006: Der Himmel war einige Tage nach Vollmond schon wieder deutlich dunkler und z.B. für Videoaufnahmen und sonstige Fotoexperimente durchaus geeignet.) Mit vielen schwächeren Meteoren ist bei dem Aurigidenausbruch ebenso wenig zu rechnen wie mit Feuerkugeln, und Physik wie Chemie der Staubteilchen dürften recht ungewöhnlich und intensiver Erforschung wert sein. Denn in den kommenden drei Jahrzehnten wird kein Staub von einem langperiodischen Kometen mehr in solcher Fülle in die Erdatmosphäre stürzen (es sind überhaupt nur zwei derartige Kometen bekannt, denen eindeutig wiederholte Meteorausbrüche zugeschrieben werden können). Das letzte Mal geschah dies beim Ausbruch der Alpha-Monocerotiden 1995: Diese Meteoroide drangen 5 km tiefer in die Atmosphäre ein als sonst bei 66 km/s schnellen Teilchen der Fall, und es fehlte ihnen alles Natrium.

Die Fallrate der Aurigiden 2007 lässt sich nur sehr vage vorhersagen, da die Erde bei keinem der gut beobachteten Schauer von 1935, 1986 und 1994 dem Zentrum der Staubwolke auch nur annähernd so nahe gekommen ist wie 2007: »Smack in the middle« werden wir dieses Mal durch den Dusttrail hindurch sausen, so Jenniskens zu interstellarum. Die Zenitstundenrate von 400, die er in seinem Vortrag nannte, sei auch nur als Untergrenze zu verstehen: Es könnten auch über tausend werden. Lyytinen geht nach neueren eigenen Berechnungen übrigens vom 1,5-fachen der Rate von 1994 aus (Meteorobs-Liste vom 21.8.2006), was 600 Meteoren/Stunde entspräche. Lohnt sich also eine Reise nach z.B. Kalifornien? Unbedingt, sagt Jenniskens, und wegen der ungewöhnlichen Helligkeitsverteilung sei sogar mit mehr hellen Meteoren als selbst bei einem der Leonidenstürme der vergangenen Jahre zu rechnen. Eigentlich bräuchte der Wahlkalifornier Jenniskens nur aus dem Fenster zu schauen, aber er bereitet lieber eine Flugzeugkampagne vor, um die Aurigiden ungestört spektroskopieren zu können: Es könnte die bis auf weiteres einzige Chance sein, Teilchen aus der kaum veränderten Kruste eines Kometen zu erforschen.

SMART-1-Crash am 3. September: nur subtile Folgen erwartet

Um 7:41 MESZ wird es wahrscheinlich passieren: Nach erfüllter technologischer wie wissenschaftlicher Mission und einer Verlängerung derselben wird der erste europäische Mondorbiter SMART-1 in ganz flachem Winkel (etwa 1° zur Horizontalen) und ziemlich langsam (2 km/s) auf die Nachtseite des – leider in Europa lange untergegangenen – Mondes kurz hinter dem Terminator mit einer kinetischen Energie von 600 MJ aufschlagen (Grafik) und in einer bescheidenen Explosion untergehen. Den nach allen Modellrechnungen extrem schwachen und höchstens 1/5 Sekunde langen Infrarotblitz werden viele Großteleskope zu erhaschen versuchen: Die Voraussagen seiner Helligkeit schwanken zwischen +7,5m und +16m – und diese Helligkeit ist bolometrisch, d.h. der Anteil im Visuellen dürfte verschwindend gering sein.

Die Helligkeit von Impaktblitzen skaliert leider, das zeigen Laborexperimente, mit der vierten Potenz der Aufschlagsgeschwindigkeit. Allenfalls chemische Reaktionen im Hydrazin-Rest in SMARTs Tanks könnten eine gewisse Steigerung bewirken: Auch wenn die Umstände des Impakts nicht gerade denen kosmischer Kollisionen entsprechen, so haben wir es immerhin mit einem einschlagenden Körper genau bekannter Zusammensetzung zu tun, zu der auch flüchtige Stoffe gehören. SMART-1 spielt in gewisser Weise einen Kometen: Masse 285 kg, davon 200 kg Aluminium und 3 kg Hydrazin. Und schlägt andererseits an einer Stelle des Mondes auf, wo es keinerlei Eis im Oberflächenmaterial geben sollte: Der Impakt ist zugleich ein Kontrollexperiment für die Suche nach Mondeis mit Impaktversuchen wie bei LCROSS 2009. Und dann besteht noch die Möglichkeit, dass die Staubwolke nach dem Impakt schwach im Erdschein glimmt. Oder dass eim kleiner Teil der Ejekta schnell genug wurde und hoch genug aufsteigt, um ins Sonnenlicht zu gelangen: Das würde sogar Amateurteleskopen (in Nord- oder Südamerika) eine Chance bieten, einen kurzlebigen Lichtfleck zu erhaschen, der bereits 11,5m erreichen würde, wenn nur 1% der Ejekta die nötige Geschwindigkeit erreicht.

Eine gewisse Chance besteht noch, dass SMART-1 bereits einen Orbit früher mit einem unbekannten Mondberg kollidiert: Dann wäre es schon um 2:36 MESZ zuende. Um den Moment des Untergangs haargenau festlegen zu können, wird ein Netzwerk von Radioteleskopen auf SMARTs Funkträger lauschen, und auch Amateurfunker sind aufgerufen (und haben z.T. schon ihren Willen erklärt), bei der Verfolgung der letzten Orbits mitzumachen. Eine Beobachtungskampagne auch für Amateurastronomen war im Juni initiiert worden, wobei es vor allem darum ging, die Impaktstelle vor dem Crash aufzunehmen, um später nach eventuellen Farbveränderungen durch herabgesunkene Ejekta zu fahnden: Die betroffene Region dürfte allerdings winzig klein bleiben, und der Impaktkrater selbst wird nur 3 bis 10 Meter messen, vielleicht erkennbar für die kommenden Mondorbiter LRO und Chandrayaan. Solche Krater zu schlagen, schafft mit typischer kosmischer Impaktgeschwindigkeit (40 km/s) bereits ein Meteorit von weniger als 1 kg.

Deep-Impact-Daten widersprechen Lehrmeinung: Was treibt den Staub aus Kometenkernen?

Wassereis in Kometenkernen sublimiert, wenn sich sich der Sonne nähern und erwärmen, und der Wasserdampf reisst Staubteilchen mit, die dann eine Hülle um den Kern bilden und vom Strahlungsdruck der Sonne fortgedrückt und zu einem Staubschweif werden: So stellt man sich seit Jahrzehnten die »Funktionsweise« von Kometenkernen vor. Doch Beobachtungen des Kerns von Tempel 1 mit dem Infrarotinstrument des Flyby Spacecraft von Deep Impact, die erst jetzt bekannt wurden, sprechen eine andere Sprache. In einem Vortrag über die Ergebnisse der Mission auf der IAU-Tagung in Prag am 17. August zeigte Projektchef Mike A'Hearn separate Karten der permanenten Staubjets, die aus dem kurzen Ende des Avocado-förmigen Kerns strömen und von gasförmigem Wasser und Kohlendioxid, die ebenfalls aus dieser Region des Kerns austreten: Der Staub korreliert überhaupt nicht mit dem Wasserdampf und allenfalls marginal mit dem Kohlendioxid! Wasser treibt die Staubjets nicht, ist A'Hearns Schlussfolgerung, aber was dann ihr Mechanismus ist, vermag er nicht zu sagen. Jedenfalls was die ständig ablaufende Staubproduktion dieses Kerns betrifft: Die markanten Gas- und Staubausbrüche, die er immer wieder erlebte, könnten mit den wenigen freiliegenden Eisfeldern am langen Ende des Kerns zusammenhängen.

AstraLux: »Lucky Imaging« auch auf dem Calar Alto

»Lucky Imaging« ist die Anwendung videoastronischer Techniken bei großen Profiteleskopen: Eine große; Zahl sehr kurz belichteter Aufnahmen wird gewonnen, und die wenigen, bei denen die Luft vor dem großen Spiegel besonders ruhig war, werden aufaddiert. Mit dieser Technik wird nun auch am 2,2-m-Teleskop auf dem Calar Alto in Spanien experimentiert: Das Herz der Spezialkamera AstraLux ist eine kommerzielle CCD-Kamera mit 512 x 512 Pixeln und bis zu 700 Bildern pro Sekunde, die diesen Juli nach einem halben Jahr Entwicklungszeit ihr First Light erlebte. Lucky Imaging kann die Bildschärfe im Idealfall um einen Faktor 5 bis 7 steigern, und die Auflösung nähert sich der Beugungsgrenze des Teleskops (0,1" bei 900 nm): Es sieht dann so scharf wie das Hubble Space Telescope (2,4 m Durchmesser), allerdings nur in einem kleinen Gesichtsfeld. Bei bestimmten Fragestellungen ist dies aber kein Nachteil, etwa bei Doppelsternen, Sternhaufen (hier ein Ausschnitt aus dem Kugelsternhaufen M 15, Bildfeld 24 Bogensekunden breit, die besten 5% von 5000 Bildern addiert, integrierte Belichtungszeit 15 Sekunden, Auflösung 0,11") oder Sternen, die rapide ihre Helligkeit verändern.

Mehrere Indizien: Hat der neue Sonnenzkylus begonnen?

Seit Juni häufen sich die Indizien, dass der 24. Zyklus der Sonnenaktivität begonnen hat, während der 23. noch ausläuft: Solch ein früher Beginn – viele hatten ihn erst im März 2007 erwartet – könnte auf ein starkes kommendes Maximum hinweisen, wobei die Prognosen aber widersprüchlich sind. Zum einen zeigte sich am 30. und 31. Juli ein paar Stunden lang eine winzige Aktivitätsregion auf 13° südlicher Breite, deren Magnetfeld andersherum orientiert war als bei allen Fleckengruppen des alten Zyklus (weil sie so kurzlebig war, wurde dieser Aktivitätsregion keine Nummer zugeteilt). Das inverse Magnetfeld wäre eigentlich ein klares Indiz für den ersten Fleck des nächsten Zyklus, doch er trat ein wenig äquatornah auf: Gemäss dem berühmten Schmetterlingsdiagramm treten die ersten neuen Flecken in besonders hohen Breiten auf, um die 30°. Aber 13° ist durchaus erlaubt – und die wesentlich grössere Aktivitätsregion 905 wies erneut ein umgekehrtes Magnetfeld auf!. Ein weiteres Indiz für den Beginn des 24. Zyklus in diesem Sommer sind auch Messungen des VSM auf dem Kitt Peak, eines erst 2004 installierten Vektorspektromagnetographen: Bereits im Juni sichtete er neue Magnetfelder in der Nähe der Sonnenpole. Noch zum 23. Zyklus gehörte allerdings Mitte August der mit dem blossen Auge sichtbare Sonnenfleck 904, von dem es auch Bilder im weissen Licht vom 12. und 14. und vom 15. August bei Sonnenuntergang und in H-Alpha gibt.

Das neue Jahrbuch ist da: Das astronomische Jahr 2008

Wie lange dauert es, alle relevanten Informationen für einen Beobachtungsabend zusammenzustellen?

Das Astronomische Jahr ist ein Jahrbuch der neuen Generation, das Astronomie-Interessierten hilft, sich in der Flut der heute vorhandenen Daten zurechtzufinden, indem es die wesentlichen Informationen herausfiltert und gleichzeitig praxisorientiert aufbereitet:

  • Alle Himmelsdaten einer Kalenderwoche sind übersichtlich auf zwei gegenüberliegenden Seiten dargestellt.
  • Blättern und zeitintensives Zusammensuchen von Informationen für einen Beobachtungsabend entfallen.
  • Wichtige Ereignisse sind thematisch gruppiert und auf einen Blick zu erkennen.
  • Alle Informationen sind in leicht verständlichen Grafiken umgesetzt.
  • Auf Wunsch können auch alle Daten ganz genau in der umfassenden Tabelle nachgeschlagen werden.
  • Die dort aufgelisteten Ephemeriden können Dank Farbcodierung besonders schnell erfasst werden.

Besonderer Wert wurde darauf gelegt, dem Beobachter alle notwendigen astronomischen Größen an die Hand zu geben, die für die eigene Beobachtung entscheidend sind. Mehr noch: Im Astronomischen Jahr sind erstmals bisher nur schwer verfügbare Daten zu finden, wie beispielsweise die grafische Darstellung der Uranus-, Neptun und Marsmonde. Darüber hinaus soll eine Auswahl ungewöhnlicher Himmelsereignisse neue Anregungen für eigene Beobachtungen geben, so wie es aus der Zeitschrift interstellarum bereits bekannt ist.

In der Ausgabe für 2008 wurden gegenüber dem Vorjahr verbessert:

  • größere Schrift, einfacher lesbare Tabellen
  • ausführliche Beschreibung eines Wochenereignisses in Wort und Bild
  • Jahresübersicht der wichtigsten Ereignisse
  • optimiert für die Lesbarkeit mit roten Taschenlampen

Friedrich, Susanne, Friedrich, Peter, Schurig, Stephan: Das Astronomische Jahr 2008 – Woche für Woche Daten und Grafiken zur eigenen Beobachtung der Gestirne. Oculum-Verlag, Erlangen, September 2008. 128 Seiten, 13 Karten, wasserabweisende Oberfläche, kartoniert 30cm×21cm, durchgehend farbig. ISBN 978-3-938469-19-4, 9,90 EUR + Porto/Versand

Inhaltsverzeichnis und Beispielkarten unter http://www.oculum.de/oculum/titel.asp?Nr=33

Bestellen Sie hier!

Durchbruch mit Röntgentrick: eine Billiarde Transneptune nachgewiesen?

Jenseits des Neptun sind bekanntlich ein paar ganz große; Brocken aufgespürt worden, die neuerdings zu den Zwergplaneten gezählt werden, dazu viele hundert weitere »Kuiperoids« bis zu einigen hundert Kilometern Durchmesser hinab – aber wieviele Körper gibt es dort, die so klein sind, dass sie sich jeder direkten Beobachtung entziehen? Eine clevere Technik, sie dennoch nachzuweisen, besteht aus der Beobachtung von Sternen mit hoher Zeitauflösung: Irgendwann müsste irgendein Kuiperoid sie ganz kurz »ausknipsen«, wenn es durch den Sehstrahl zieht. Versuche mit dieser Technik im Optischen haben bisher entweder Nullresultate oder sehr umstrittene vermeintliche Nachweise geliefert (Science vom 21.7.2006 S. 294) – aber nun gibt es einen ziemlich überzeugenden Erfolg aus der Röntgenastronomie, der bereits für einige Unruhe unter Theoretikern sorgt.

Chang et al. (Nature 442 [10.8.2006] 660-3) analysierten Messreihen des Satelliten RXTE von Scorpius X-1, der hellsten und zuerst entdeckten Röntgenquelle überhaupt: Die Flut an Röntgenphotonen dieser Punktquelle, 100 000 pro Sekunde, erlaubte die Suche nach Aussetzern von nur Millisekunden Dauer, was im Optischen nicht möglich ist. Und da waren tatsächlich 58 »Dip Events«, meist 2 bis 3 ms lang und teilweise sehr signifikant, während Beobachtungen einer ausgedehnten Röntgenquelle (dem Innenbereich des Krebsnebels) mit demselben Instrument keinerlei entsprechende Einbrüche zeigten: Das spricht stark für Unterbrechungen der Sichtlinie zu Sco X-1 durch kleine, undurchsichtige Körper. Leider lässt sich nicht direkt sagen, wie weit diese wohl von der Sonne entfernt waren, aber wenn man sie in den Kuipergürtel platziert (dass Sco X-1 nur 6° von der Ekliptik entfernt liegt, spricht für Täter im Sonnensystem), dann wären Transneptune von typischerweise 50 Metern Durchmesser die Verursacher der Dips.

Von Körpern des Größenbereichs 10 bis 100 Meter gäbe es dann hochgerechnet 1015, rund eine Billiarde: Das liegt ein wenig über einer Extrapolation aus den direkt entdeckten viel grösseren Transneptunen, mit der es aber noch statistisch verträglich wäre. Doch die Zahl liegt andererseits um 3 bis 5(!) Größenordnungen über dem, was Modelle über die Entstehung des Kuipergürtels erwarten lassen (Cooray, ibid. 640-1). Unabhängige Bestätigungen des Nachweises per Röntgen-Dip wären also wünschenswert, und in mehreren Richtungen sind Fortschritte denkbar. So besteht eine gewisse Hoffnung, bei den Dips Beugungseffekte nachzuweisen, mit denen sich die Größe und Entfernung der verfinsternden Objekte eingrenzen liessen (ibid. xi). Und die ESA-Satelliten Herschel und Planck, die 2008 starten sollen, sollten in der Lage sein, die Gesamtwärmestrahlung der kleinen Kuiperoids direkt zu messen (Cooray, ibid. 640-1).

Auch das noch: • 13 Milliarden Helligkeiten von 6,7 Mio. Sternen im Bereich 7,0m bis 11,5m hat das Weitwinkelkamerasystem SuperWASP auf La Palma und in Südafrika in seinen ersten 6 Monaten gemessen – der gesamte Himmel wird alle 40 Minuten aufgenommen! Ziel ist die Entdeckung von Exoplaneten-Transits vor besonders hellen Sternen, die sich dann gut spektroskopieren lassen. • Mit dem baldigen Arbeitsbeginn von Pan-STARRS wird sich das Wesen der Astronomie noch weit stärker verändern und insbesondere die Entdeckung und Astrometrie von NEOs revolutioniert werden, wie auf der IAU-Tagung in Prag zu hören war: Die Bedeutung von Amateurastronomen im Asteroidensektor dürfte damit erheblich schrumpfen. • Noch ist es aber nicht so weit: Juels, Holvorcem und Broughton erhielten die Wilson Awards für Amateurentdeckungen von Kometen 2005.

Europas Astronomen sollen mit einer Stimme sprechen, wenn es um Milliardeninvestitionen der nächsten 25 Jahre geht – fordern die Agenturen, die das Geld zu vergeben haben und kurzerhand das ASTRONET schufen, das eine gemeinsame Vision und Roadmap entwickeln soll. • Zwischen 30 und 42 Meter wird das EELT groß, das European Extremely Large Telescope: Wie auf der IAU-Tagung am 16.8. berichtet wurde, laufen zwei konkurrierende Industriestudien für den grösseren und kleineren Durchmesser, um überhaupt erst einmal ein Gefühl dafür zu bekommen, wie der Preis so eines Teleskopmonsterns mit dem Durchmesser steigt ...

Universe Awareness nennt sich ein auf der IAU-Tagung gestartetes Projekt, um Astronomie in die Grundschulen der Entwicklungsländer zu tragen – losgehen soll es 2009 in 4 Ländern und 4 unterentwickelten EU-Regionen. 2009 ist zugleich das Weltjahr der Astronomie: Dabei geht es darum, so ziemlich jeden auf dem Planeten an die Freuden der Himmelsbeobachtung heranzuführen, inklusive Blick durch ein Teleskop. • Die Summer Star Party der WAA Mitte August in Mariazell war trotz oft schlechten Wetters ein Erfolg, ebenso wie danach die Mt. Kobau Star Party in Kanada.

Clear skies wünscht
Ihr Daniel Fischer

Informationen zum Newsletter sowie Hinweise zur An- und Abmeldung erhalten Sie unter www.oculum.de/interstellarum/newsletter.asp. Schreiben Sie uns, wenn Sie Fragen, Wünsche oder Anregungen haben, unter webmaster – Wir helfen gerne weiter!

Haftungsausschluss | Impressum